Twitter und das Podest auf dem Marktplatz

Ich bin nicht Marie Meimberg und bin nicht in der Welt der Sozialen Medien aktiv und mit ihr vertraut wie sie, habe keine Kolumne bei Übermedien. Ich bin nicht Sascha Lobo, kein Internetexperte oder so, der seine Tweets begrenzen musste oder wollte. Ich bin auch kein Stefan Niggemeier und auch kein Fefe, ich bin nicht einmal ein großer Youtuber. Nein, ich bin nur ein Nutzer des Internets, was ich aber immerhin mit all diesen Leuten teile.

Ich bin nicht Marie Meimberg und kann nicht so schön über Soziale Medien schreiben wie sie. Tatsächlich stand ich diesen lange Zeit reserviert, teils ablehnend gegenüber und tue das auch noch immer. Ich nutzte kein Facebook, kein Twitter. Ich brauchte kein Instagram, nicht einmal WhatsApp. Warum? Weil ich meine Daten für meine Daten halte. Niemanden geht es etwas an, welche Telefonnummer ich habe, wo ich wohne. Niemanden hat es zu interessieren, wo ich gerade bin, ob in der Uni, im Urlaub oder beim Wandern. Ich versuche, meine Daten zu schützen. Wirklich.

Ich brauche den ganzen Kram heute immer noch nicht. Und dennoch nutze ich seit bald einem Jahr Twitter (und schon etwas länger Telegram und Threema) und unterhalte nun auch schon eine Weile meinen Blog. Weil ich mich ärgere. Weil ich mich aufrege. Über vieles. Und weil es raus muss. Dringend.

Soziale Medien geben einem die Möglichkeit. Soziale Medien sind ein Marktplatz, auf dem man sein Podest aufstellen und laut schreien kann. Vielleicht steht man dort allein, vielleicht hat man Leute um sich herum, die sich das Geschrei anhören. Ich hatte keine Leute dort stehen, doch nach und nach blieben ein paar stehen und hörten sich an, was ich zu sagen habe. Doch auch, wenn ich auf ewig allein schreien und meine Wut herausbrüllen müsste, würde ich es tun. Denn vielleicht rufe ich ja doch so laut, dass es jemand hört. Und sonst ist es immerhin auch raus.

Twitter ist mein soziales Medium. Ich kann Wut komprimieren und muss keine Facebook-Hassbotschaften aussenden. Twitter ist ein Trichter und es kommt nur das hindurch, was hindurch muss. Und wenn man sich klug anstellt ist das nicht „Scheiße!“, sondern die Ursache oder der Grund, warum etwas Scheiße ist.

Und Twitter ist mein Papier für Spott und Hohn, wovon ich mehr habe, als ich brauche, und was beides auch raus will. Vielleicht, wahrscheinlich ist es auch nur eine Ausdrucksform der Wut oder der Verzweiflung. Zynismus, der sich ausdrückt.

Doch mittlerweile ist Twitter mehr für mich. Twitter ist mein erster Kommunikationskanal für mein #VKritik-Projekt geworden. Ohne Twitter wäre nie etwas davon an die Öffentlichkeit gelangt. Und seit es meinen Blog gibt, wird der von einer Vielzahl von Leuten über Twitter gefunden.

Aber Twitter ist nicht mein Leben und vor allem nicht mein Privatleben. Es geht nach wie vor niemanden etwas an, was ich zum Mittag esse, es geht niemanden an, wo ich mich gerade aufhalte. Twitter ist Teil meines öffentlichen Lebens, mein Weg, über Politik und Medien zu schreiben, die Regierungspressekonferenzen zu kommentieren, Leuten auf indirekte Art mit Aufmerksamkeit zu danken. Und zu kommunizieren. Mit Personen, die ich noch nie traf, aber vielleicht gerne einmal treffen würde.

Twitter ist mein Marktplatz mit meinem kleinen Podest. Dort stehe ich und schreie, wenn ich zürne, wenn mich etwas stört und wenn es raus muss. Wenn ich spotte. Ich muss keine Bilder teilen und vor allem keine Bilder, die sich nach einer Zeit löschen. Ich brauche kein Facebook, um mit Leuten in Kontakt zu bleiben, denn wenn jemand mit mir Kontakt halten will, dann kann der das auch anderweitig schaffen. Dafür brauche ich auch Twitter nicht. Twitter brauche ich so, wie es eben ist. Als Marktplatz.

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