Studiengang-Anglizismen

Morgen ist Mastertag an der Universität Trier, der Tag, an dem sich die Fachschaften der Studienfächer vorstellen, die man „auf Master“ studieren kann. Als ich eben nachsah, in welchem Raum ich die Politikwissenschaft werde finden können, fiel mir etwas auf und obendrein ein, worüber ich schon lange einmal schreiben wollte: die fürchterliche Angewohnheit, dass deutsche Universitäten gefühlt der Hälfte ihrer Studienfächer englische Namen geben.

Vielen bekannt ist sicher „Gender Studies“ oder, in Trier, „Gender-Studies“. Auch wenn viele den Gebrauch des Wortes „Gender“ vielleicht noch nachvollziehen können wollen, obwohl man auch „soziales und psychologisches Geschlecht“ sagen könnte, wie es auch der „Verein Deutsche Sprache“ vorschlägt, zieht mir „Studies“ die Schuhe aus. Ist das Wort „Studien“ dem Deutschen Studenten schon zu kompliziert geworden? Sind drei Silben so viel zu lang? Noch haarsträubender wird es mit dem Zusatz „interkulturelle“, denn der ist plötzlich doch nur auf Deutsch zu haben. Und was der Bindestrich dort zu suchen hat, obwohl es doch Englisch ist, bleibt mir auch schleierhaft.

Aber es fängt ja schon mit dem Wort „Mastertag“ an. Dass das Bachelor-Master-System Mist ist, muss ich nicht hervorheben, aber allein die Tatsache, dass es die Begriffe wieder nur auf Englisch gibt, ist eine Zumutung. Der Begriff „Magister“ hatte an der Universität, an der Latein die Gelehrtensprache (also keine Fremdsprache im eigentlichen Sinne) war, stets eine Berechtigung, für Englisch gilt das aber nicht. Doch in Deutschland findet man nun „Masters of Science“ (ja, das Plural-s muss stehen, da es kein deutsches Wort ist) und „Bachelors of Education“. Sicher war es den hochgelehrten Politikern, die das System großartig fanden, doch etwas zu peinlich, wenn „Meister der Künste“ durch Deutschland liefen, klingt es doch nach Zauberern oder ähnlichem, doch haben sie vergessen, dass die englische Bezeichnung, „Masters of Arts“, daran nichts ändert. Es sind immer noch „Meister der Künste“, nur eben auf Englisch. Immer noch genauso peinlich.

Insgesamt werden morgen 50 verschiedene Studiengänge vorgestellt, von denen elf zumindest teilweise, die „Interkulturellen Gender-Studies“ nämlich, englische Namen tragen, mehr als ein Fünftel aller Studiengänge also. Da wären „Digital Humanities“, „Economics“, „English Linguistics“, „English Literature“, „English Literature and Media“, „Environmental Sciences“, „Financial Management“, die schon genannten „Interkulturellen Gender-Studies“, „International Economics & Public Policy“, „North American Studies: USA and Canada“ und „Survey Statistics“. Wo ist das Problem, insbesondere für jene, die diese Studiengänge anbieten und dort lehren, teilweise Professuren haben, die Begriffe angemessen zu übersetzen?

Ich gehe mit einem guten Beispiel voran und mache Vorschläge. Was spricht gegen „Digitale Geisteswissenschaften“, „Wirtschaft“, „Englische Linguistik“ oder „Linguistik des Englischen, „Englische Literatur“, „Englische Literatur und Medien“, „Umweltwissenschaften“, „Finanzverwaltung“, „Interkulturelle Studien des sozialen und psychologischen Geschlechts“, „Internationale Wirtschaft und öffentliche Politik“, „Nordamerika-Studien: Die Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada“ sowie „Umfragestatistiken“? Ich warte auf Antworten der Verantwortlichen der Universität Trier.

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