Projekt Fachschaftsratswahl 2016

Die Tage werden die Wahlen zum Fachschaftsrat der Japanologie Trier stattfinden. Da ich der Meinung bin, dass dieser ein unnötiges Organ darstellt, welches für die Studenten wichtige Entscheidungen über deren Kopf hinweg trifft, plädiere ich nach wie vor für seine Abschaffung. Und tatsächlich sah es einige Zeit so aus, als ob er demnächst aufgrund mangelnder Interessenten für Ämter nicht mehr in der Lage sein würde, sich neu zu konstituieren, doch konservative Personen, die ihn aus unerklärlichen Gründen für erhaltenswert befinden, stemmen sich dagegen, indem sie sich zur Wahl stellen wollen, um danach zurückzutreten. Welch großartiges Demokratieverständnis!

Bisher habe ich aus meiner Ablehnung des Fachschaftsrates die Wahlen boykottiert und ignoriert, diesmal wäre ich aber fast versucht, passiv teilzunehmen. Meine Wahlversprechen, die ich natürlich allesamt einhalten würde, wofür ich mit meinem Namen stehe, sind bereits aufgestellt.

 

Wählt mich

für weniger Verletzte!
Ich verspreche, mich für ein Tempolimit von 5 km/h im Fachschaftsraum der Japanologie Trier (B9) einzusetzen!
Ich verspreche, mich gegen Waffenexporte der Universität Trier in Krisengebiete einzusetzen!

für mehr Transparenz!
Ich verspreche, gegen jeden eingebrachten Antrag, einschließlich von mir eingebrachter Anträge, zu stimmen, solange dies nicht der Verfolgung der Umsetzung meiner anderen Wahlversprechen zuwiderläuft!
Um meine Bereitschaft für das Durchsetzen von mehr Transparenz zu zeigen, werde ich bei der Fachschaftsratswahl vor Zeugen meinen Wahlzettel zerreißen, sodass jeder sieht, für wen ich meine Stimme abzugeben bereit bin und was ich von dem Fachschaftsrat an sich halte!

für weniger Ja!
Nein!
Immer noch nicht!

für weniger Arbeit!
Ich verspreche, nach der Wahl kein Amt im Fachschaftsrat anzunehmen! Sollten mir dies irgendwelche unsinnigen Statuten verwehren, werde ich unverzüglich aus dem Fachschaftsrat austreten; meine weiteren Wahlversprechen müssten unter diesen Umständen bedauerlicherweise von anderen Personen umgesetzt werden!
Ich verspreche, zu keiner außeruniversitären Veranstaltung der Japanologie-Fachschaft, mit Ausnahme der Fachschaftsratssitzungen, zu erscheinen, sei es nun ein „Stammtisch“, ein „Spieleabend“ oder irgendwelche pseudo-japanischen Feierlichkeiten!

für mehr #VKritik!
Was ist das eigentlich? Schaut mal hier: zornbuerger.wordpress.com!
Oder bei Twitter: @zornbuerger und #VKritik!

für mehr Ausrufezeichen!
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Wählt mich! Jetzt!

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Dass manche Leute glauben, dass man Abstimmungen proben müsse…

Was eine Abstimmung ist, sollte jedem bekannt sein, aber dass sie ab und an geprobt werden, wird sicher viele Leute überraschen. Und auch ich schüttele jedes Mal wieder den Kopf, wenn ich das Wort „Probeabstimmung“ lese und erst heute stieß ich wieder darauf.

Reiner Haseloff ist heute wiedergewählt worden; er wird also Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt bleiben. Einmal davon abgesehen, dass die Süddeutsche Zeitung versucht zu sagen, dass es peinlich sei, „erst im zweiten Wahlgang“ gewählt zu werden, stürzt sie sich wie wild auf die Neuigkeit, dass es Abgeordnete gab, die nicht mit der Wahl Haseloffs einverstanden waren und denen eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen nicht gefällt. „Abweichler, Abweichler!“, hört man sie schon rufen. Das ist ein gefundenes Fressen, denn wie jeder weiß, ist es äußerst schlimm, nicht wie jeder andere in der Partei zu stimmen.

Aber ich möchte auf etwas anderes hinaus. Die Süddeutsche schreibt nämlich auch: „Unklar ist weiter, welcher Partei oder welchen Parteien die Abweichler des ersten Wahlgangs angehören. SPD und Grüne hatten nach Angaben aus den Fraktionen in Probeabstimmungen kurz vor dem Wahlgang geschlossen für Haseloff gestimmt. Die CDU hatte auf eine Probeabstimmung verzichtet.“ Es ist nicht schlimm, wenn man nicht weiß, was eine Probeabstimmung sein soll. Und ich kann jedem nur beipflichten, dass eine solche Unfug ist.

Was die Süddeutsche hier nämlich meint, sind Abstimmungen in einer Fraktion, im Grunde Vorwahlen, die dazu dienen sollen, zu sehen, ob es böse Abweichler mit eigener Meinung gibt. Was die schlauen Medienleute und Politiker aber natürlich übersehen, ist: Man kann in der Probeabstimmung natürlich ganz anders stimmen als in der eigentlichen Abstimmung. Und das kann verschiedene Gründe haben.

1. Ist die Probeabstimmung eine offene Wahl, wird man als Abweichler erkannt, was üble Auswirkungen haben kann. Man stelle sich vor, eine Schulklasse beschließt mit dem Lehrer zusammen, ein Eis essen zu gehen, und nur einer ist dagegen, sodass auf das Eis verzichtet werden muss. Und selbst, wenn alle anderen ihr Eis trotzdem bekommen, steht derjenige mit der Eisabneigung als Außenseiter dar. „Warum willst du denn kein Eis? Mann!“ Was die Folgen für den armen Kerl sind, kann man sich ausdenken, und in der Politik sieht es ähnlich aus.

2. Ist die Probeabstimmung geheim, so wird, bei Gegenstimmen, versucht, herauszufinden, wer die Abweichler waren. Sie müssen schließlich auf Kurs gebracht werden, damit sich keine von den Medien als peinlich dargestellt werdenden Dinge ereignen. Uneinigkeit in einer Partei rangiert in der Beliebtheitsskala der Bevölkerung dank der Medien ja ungefähr zwischen Kim Jong-un und Hodenkrebs. Auch im Geheimen drohen also Sanktionen und man wäre wieder bei Grund 1.

3. In der Probeabstimmung gegen etwas zu stimmen, hat direkt keine Auswirkungen auf das Ergebnis der eigentlichen Abstimmung. Erst dort bringt es tatsächlich etwas, dagegen zu stimmen. Und stimmt man vorher noch dafür, so erwartet anscheinend auch niemand, dass es in der richtigen Abstimmung anders sein könnte, so dass man unbehelligt seine Meinung in Form der Stimme abgeben kann.

Doch allein die Idee, sich mit der Fraktion in einen Raum zurückzuziehen, und zu fordern, dass jeder einmal seine Stimme so abgebe, wie er es ein paar Stunden später zu machen gedenk, ist schon unsinnig. Was soll das? Und was soll das, wenn die Probeabstimmung geheim ist? Wenn jemand gegen „die Parteilinie“ stimmen will, so wird er das tun, gleich, ob die Wahl schon einmal geprobt wird.

Eine Probe ist dann sinnvoll, wenn man etwas gelernt hat und sich selbst oder andere sich vergewissern möchten, ob man das auch kann. Deshalb gibt es Klausuren, deshalb gibt es Lehrproben, deshalb gibt es Gesellenprüfungen. Wenn Politiker sich aber vergewissern wollen, ob ihre Parteifreunde gelernt haben, die Hand zu heben, dann muss man sich wohl Sorgen um ihren geistigen Zustand machen, nehmen sie doch an, dass das nicht jeder könne. Oder vielleicht muss man sich um den geistigen Zustand aller sorgen, wenn diese Annahme berechtigt wäre. Wer weiß?

Studiengang-Anglizismen

Morgen ist Mastertag an der Universität Trier, der Tag, an dem sich die Fachschaften der Studienfächer vorstellen, die man „auf Master“ studieren kann. Als ich eben nachsah, in welchem Raum ich die Politikwissenschaft werde finden können, fiel mir etwas auf und obendrein ein, worüber ich schon lange einmal schreiben wollte: die fürchterliche Angewohnheit, dass deutsche Universitäten gefühlt der Hälfte ihrer Studienfächer englische Namen geben.

Vielen bekannt ist sicher „Gender Studies“ oder, in Trier, „Gender-Studies“. Auch wenn viele den Gebrauch des Wortes „Gender“ vielleicht noch nachvollziehen können wollen, obwohl man auch „soziales und psychologisches Geschlecht“ sagen könnte, wie es auch der „Verein Deutsche Sprache“ vorschlägt, zieht mir „Studies“ die Schuhe aus. Ist das Wort „Studien“ dem Deutschen Studenten schon zu kompliziert geworden? Sind drei Silben so viel zu lang? Noch haarsträubender wird es mit dem Zusatz „interkulturelle“, denn der ist plötzlich doch nur auf Deutsch zu haben. Und was der Bindestrich dort zu suchen hat, obwohl es doch Englisch ist, bleibt mir auch schleierhaft.

Aber es fängt ja schon mit dem Wort „Mastertag“ an. Dass das Bachelor-Master-System Mist ist, muss ich nicht hervorheben, aber allein die Tatsache, dass es die Begriffe wieder nur auf Englisch gibt, ist eine Zumutung. Der Begriff „Magister“ hatte an der Universität, an der Latein die Gelehrtensprache (also keine Fremdsprache im eigentlichen Sinne) war, stets eine Berechtigung, für Englisch gilt das aber nicht. Doch in Deutschland findet man nun „Masters of Science“ (ja, das Plural-s muss stehen, da es kein deutsches Wort ist) und „Bachelors of Education“. Sicher war es den hochgelehrten Politikern, die das System großartig fanden, doch etwas zu peinlich, wenn „Meister der Künste“ durch Deutschland liefen, klingt es doch nach Zauberern oder ähnlichem, doch haben sie vergessen, dass die englische Bezeichnung, „Masters of Arts“, daran nichts ändert. Es sind immer noch „Meister der Künste“, nur eben auf Englisch. Immer noch genauso peinlich.

Insgesamt werden morgen 50 verschiedene Studiengänge vorgestellt, von denen elf zumindest teilweise, die „Interkulturellen Gender-Studies“ nämlich, englische Namen tragen, mehr als ein Fünftel aller Studiengänge also. Da wären „Digital Humanities“, „Economics“, „English Linguistics“, „English Literature“, „English Literature and Media“, „Environmental Sciences“, „Financial Management“, die schon genannten „Interkulturellen Gender-Studies“, „International Economics & Public Policy“, „North American Studies: USA and Canada“ und „Survey Statistics“. Wo ist das Problem, insbesondere für jene, die diese Studiengänge anbieten und dort lehren, teilweise Professuren haben, die Begriffe angemessen zu übersetzen?

Ich gehe mit einem guten Beispiel voran und mache Vorschläge. Was spricht gegen „Digitale Geisteswissenschaften“, „Wirtschaft“, „Englische Linguistik“ oder „Linguistik des Englischen, „Englische Literatur“, „Englische Literatur und Medien“, „Umweltwissenschaften“, „Finanzverwaltung“, „Interkulturelle Studien des sozialen und psychologischen Geschlechts“, „Internationale Wirtschaft und öffentliche Politik“, „Nordamerika-Studien: Die Vereinigten Staaten von Amerika und Kanada“ sowie „Umfragestatistiken“? Ich warte auf Antworten der Verantwortlichen der Universität Trier.

Ein Einblick in die „Kieler Nachrichten“

Da ich gerade in Schleswig-Holstein weile und Zugriff auf die Regionalzeitung „Kieler Nachrichten“ habe, dachte ich mir, könnte ich ja einmal einen Blick in den ersten, den überregionalen Teil werfen, um in Erfahrung zu bringen, wie und worüber die Leser informiert werden. Mir liegt dafür die Ausgabe vom 04. April 2016, also vom heutigen Tage, vor, die den Abonnenten aus dem Einzugsgebiet Ostholstein ausgeliefert wird. Die „Kieler Nachrichten“ (KN) nennt sich „Landeszeitung für Schleswig-Holstein“, ich hoffe aber, dass sie auch größere Themen behandelt.

Für eine Regionalzeitung aus Kiel sicher sehr vernünftig scheint auf den ersten Blick die erste Nachricht, die den oberen Teil der ersten Seite komplett füllt: „Großprojekt in Kiel – Ein neues Rathaus neben dem Rathaus?“ Bereits im ersten Satz des Artikels, geschrieben von Martina Drexler, wird aber klar, dass es sich im Grunde nur um Werbung handelt: „Neuer Impuls für die Entwicklung der Kieler Innenstadt: Auf dem Gelände der ehemaligen KN-Druckerei im Herzen der Landeshauptstadt wollen die Kieler Nachrichten für 30 bis 40 Millionen Euro einen Wohn- und Bürokomplex bauen.“ Hauptmieter soll wohl die Stadtverwaltung (daher der Titel des Artikels) werden, entschieden ist aber noch nichts, da der „Neubau auf dem Gelände […] [erst] in zehn Tagen im Bauausschuss diskutiert werden“ soll. Die „Kieler Nachrichten“ erhofft sich wohl mit diesem Artikel viele Fürsprecher, denn sie preisen das Projekt kräftig an. „‚Wir [die „Kieler Nachrichten“] möchten mit diesem Neubau unseren Teil zur rasanten baulichen Entwicklung der Innenstadt beitragen‘, sagt KN-Geschäftsführer Sven Fricke.“ Als ob die halbe Seite nicht genügen würde, findet man im Regionalteil der Ausgabe noch eine Dreiviertelseite zu dem Thema.

Unter dem Rathaus-Artikel findet man ein paar angerissene Themen, die auf den Sportteil („Olympia-Aus für Schmidt/Boehme“ (49er-Segeln)), den Leitartikel („Flüchtlingszahlen gehen zurück“) und einen Kommentar („Wenig Patente aus dem Norden“) verweisen.

Das große Thema, das gestern Abend die Medien erreichte, die „Panama Papers“, finden sich auch auf Seite 1: „Datenleck bringt Politiker in Erklärungsnot – Briefkastenfirmen sollten Vermögen verschleiern“. Selbstverständlich wird nicht darauf verzichtet, Putin mit diesem Thema in Verbindung zu bringen, obgleich sein Name nicht auf der Liste auftaucht, aber da reihen sich die Kieler Nachrichten gern bei den größeren deutschen Zeitungen ein. Nicht-Politiker und Unternehmen finden in dem sehr kurzen Artikel keine Erwähnung. Außerdem wird nicht erkenntlich, wer den Artikel überhaupt schrieb. Man findet keinen Namen und kein Agentur-Kürzel, vor dem Artikel wird die Stadt Hamburg genannt.

Ebenfalls keinen Autor hat der letzte Artikel auf der ersten Seite: „Viel Glück mit der 2 und der 9“. „Thailands Diktator Prayuth Chan-ocha“ hat zwei Limousinen von Mercedes gekauft, deren Kennzeichen auf die Zahlen 29 und 92 enden, was die „glücksspielversessenen Thailänder“ hochinteressant fänden, denn „der frühere Waldmönch Luang Phor Koon hatte die Neun und die Zwei vor seinem Tod voriges Jahr zu Glückszahlen erklärt“. Dieser Artikel ist länger als jener zu den „Panama Papers“, aber wen soll denn so etwas interessieren?

Auf der zweiten Seite, die mit „Meinung“ betitelt ist, findet man einen Kommentar des Wirtschaftsredakteurs („Den Kopf zu voll – Erfindergeist benötigt Freiräume“) über die oben genannten Patente und einen Kommentar eines Korrespondenten über das erneute Ausbrechen des Berg-Karabach-Konfliktes. Letzterer ist interessant zu lesen und enthält einen Verweis auf den Politik-Teil, in dem ein Artikel zu dem Thema zu finden ist. Auf der „Meinung“-Seite findet man aber ferner auch den oben angekündigten Leitartikel des Korrespondenten Detlef Drewes: „Angst vor der Bildermacht – Die EU startet mit Sorge die bürokratische Rückführung der Flüchtlinge“. Drewes schreibt, dass es schlimme Bilder geben werde, wenn die Flüchtlinge nun wieder in die Türkei abgeschoben werden sollen. Schlimm für die Medienrezipienten, schlimmer aber sicher für die Flüchtlinge. Dies deutet er aber nur indirekt an. „Dass man dieser Form der organisierten Kriminalität [Schlepper] nicht anders begegnen konnte, als Verzweifelte aus dem Meer zu holen und dann unter neuen Leiden zurückzuschicken, ist der eigentliche Skandal.“ Mit diesem Satz schließt sich Drewes den Regierungssprechern an. Die Schlepper müssen bekämpft werden, sie stellen das Hauptübel dar! Dafür, dass das der Leitartikel sein soll, scheint er mir einerseits recht kurz geraten (er nimmt nur eine Viertelseite ein) und klingt für einen Kommentar-ähnlichen Artikel sehr meinungslos, als ob Herr Drewes sich nicht entscheiden könnte, ob ihm das Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei nun gefiele oder nicht. Interessanterweise wird die Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei nicht mit einem Wort erwähnt. Zu dem Leitartikel gehörig ist auch eine recht aussagelose Karikatur.

Neben Pressestimmen aus der „Rossijskaja Gaseta“, aus dem „Guardian“ und „The Telegraph“ zum Tode Genschers findet man auch ein Interview mit Aiman A. Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Interessant ist, dass das Interview von Dieter Wonka geführt wurde, der ja auch für seine Fragen in der Bundespressekonferenz bekannt ist.

Auf Seite 3 beginnt der Politik-Teil und neben einer Werbeanzeige für Hautcrème, die die Hälfte der Seite einnimmt, findet man hier nur einen Artikel über autonom fahrende Autos, dessen Titel lautet: „Nur noch Beifahrer – Das selbstfahrende Auto naht, es wäre ein Triumph der Technik – Aber wer hat Schuld, wenn die Maschine einen Fehler macht?“ Beides nur bedingt in den Bereich „Politik“ einzuordnen, aber der Autor, Gerd Piper, scheint schon selbst in einem autonom fahrenden Wagen gesessen zu haben, beschreibt er doch, wie die „Limousine beschleunigt, das Steuer […] sich langsam wie von Geisterhand [dreht] und […] das Auto selbstgewiss auf die Überholspur der Autobahn“ lenkt. Es geht dabei um eine Mercedes-Limousine. Klingelt da etwas? Der Herr aus Thailand? Schon wieder Mercedes-Limousinen. Und in dem Artikel kommen auch Ola Källenius, „Vertriebs- und künftiger Entwicklungschef von Mercedes“, und „VW-Chef“ Matthias Müller zu Wort. Wer sich also die Meinung der Autobauer in Bezug auf Autonomes Fahren lesen möchte, sollte sich den Artikel durchlesen. Ein wenig Erklärung zu dem Autonomen Fahren selbst ist auch enthalten, ebenso wie der Satz: „Da kommt die Moral ins Spiel.“ Piper fragt: „Muss man hochautomatisierten Maschinen eine Ethik mit auf den Weg geben, auf deren Grundlage sie Entscheidungen trifft?“ Und auf diese Frage darf sich auch Oliver Bendel, „Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wissenschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz“ und von Piper „Ethiker“ genannt, auch ein wenig äußern. „Bendel ist gegen das vollautonome Auto im Straßenverkehr, denn Unfälle würden passieren, egal wie gut die Technik sei, sagt er. ‚Es [die Tatsache, „dass Maschinen über Leben und Tod von Menschen entscheiden können“] ist unausweichlich, wenn wir autonome Autos in den Ballungszentren zulassen, und das ist keineswegs akzeptabel. Maschinen sollten nicht den Wert von Menschen vermessen.‘“ Damit ist das ja dann auch geklärt. Ich lasse seinen merkwürdig anmutenden Verweis auf den Islamischen Staat einmal unter den Tisch fallen und empfehle Piper und Bendel, sich mal mit Banken, Versicherungen und Krankenkassen auseinanderzusetzen.

Auf Seite 4 findet man einige „Kurznotizen“, unter anderem zu Genschers Tod und der Lkw-Maut in Belgien, Blickfänger ist aber ein großes Foto von der Trauerfeier für Guido Westerwelle mit einer kurzen Nachricht. Das Bild ist von der DPA, der Text wieder einmal nicht zuzuordnen.

Unten auf der Seite ist ein kleiner Artikel über die Wiedereröffnung von Teilen des Brüsseler Flughafens zu finden. Die Meldung ist nicht weiter erheblich und sehr gut bemessen, daneben findet man den oben genannten Artikel zu Berg-Karabach, der einordnet und Hintergründe vermittelt. Bedauerlicherweise ist er nicht viel länger als der Kommentar dazu und die erste Hälfte hätte man  einfach streichen können, da sich das Erwähnte schon im Kommentar findet. Eine grobe Karte soll bei der Einordnung helfen.

Der längste Artikel auf dieser Seite ist jedoch, wie könnte es anders sein, der zur Flüchtlingssituation: „Gewaltausbrüche in Griechenland? Tag eins des Flüchtlingspakts: Ab heute sollen Asylsuchende in die Türkei abgeschoben werden“. Um den Artikel zusammenzufassen: Es gab keine Gewaltausbrüche, ein namenloser „griechischer Sicherheitsexperte“ befürchtet sie nur. Gerd Höhler berichtet von 5.600 Menschen, „die nach dem Stichtag aus der Türkei gekommen sind“ und denen die Abschiebung droht. „Jeder Migrant soll von einem Polizisten begleitet werden.“ Wie dieses Polizeiaufgebot zustande kommen soll, erklärt Höhler nicht; der Artikel bleibt auch insgesamt sehr oberflächlich.

Die Seite 5 stellt den Wirtschaftsteil dar, dessen wichtigster Artikel „Post baut eigene Autos – ‚Streetscooter‘ soll 33 000 Transporter ersetzen – Serienproduktion beginnt“ lautet und der von Gabriele Schulte geschrieben wurde. Die Deutsche Post hat zusammen mit einem Start-Up-Unternehmen, die ja nach Aussagen der Bundesregierung die Zukunft der Wirtschaft darstellen, und unter „maßgeblich[er]“ Beteiligung von Postboten Elektroautos entwickelt und „sieht sich […] als Gegenstück zum E-Auto-Pionier Tesla“. Eine interessante Selbsteinschätzung der Post.

Zwei weitere kürzere Artikel finden sich ebenfalls: „Niedersachsen will VW nicht verklagen“ („Niedersachsen hängt ganz erheblich von dem Autobauer ab“ und Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte: „‚Das Land Niedersachsen sieht derzeit keinerlei Grund für eine Klage gegen VW‘“) und „Touchscreen statt Klingelbeutel – In Schweden ist Bargeld ein Auslaufmodell“ (über den „Kollektomat“ in Schweden und das Abnehmen des sich im Umlauf befindlichen Bargelds in Schweden).

Am Rande der Seite finden sich auch „Wirtschafts Notizen“ (mit Deppenleerzeichen bzw. Deppenzeilenumbruch), wo man Kurznachrichten wie „Mehrheit ist für Pfand auf Kaffeekapseln“ (eine überwältigende Mehrheit von 53%) und „DB Regio muss hohe Strafen zahlen“ (an wen sie gehen, bleibt unbekannt) findet. Abgerundet wird die Seite mit Werbung für Werbung in der „Kieler Nachrichten“ und der „Segeberger Zeitung“.

Mit der sechsten und letzten Seite geht die „Kieler Nachrichten“ in den Regionalteil über, weshalb ich diese nicht allzu genau beleuchten will. Artikel wie „Neue Ideen aus der alten Wurstfabrik – Die veganen Spezialitäten von Grüngold kommen am Markt an – Künftig will das Start-up seine Kunden beteiligen“ (bei Grüngold handelt es sich um ein kleines Unternehmen aus Stuvenborn, das „vegane Spezialitäten aus Getreide“ herstellt und im Grunde Spenden sammelt; ob die „Kieler Nachrichten“ wohl auch von „Grüngold“ Spenden für einen solchen Werbeartikel erhielt?) und „Ethik-Genossenschaft Oikocredit im Norden weiter gewachsen“ (die Genossenschaft hat nun 2045 norddeutsche Mitglieder; was nun Norddeutschland darstellt, weiß ich leider auch nach der Lektüre des Artikels nicht) laden aber auch nicht unbedingt zum Lesen ein. Ferner findet man auf der Seite noch eine ganze Menge „Gewinnzahlen“ aus verschiedenen Lotterien, durch die sich der Leser, der wohl wie alle Thailänder „glücksspielversessen“ ist, aber nur schwerlich wühlen kann, da sie nicht nur ziemlich ungeordnet, sondern aufgrund des unpassenden Fonts und des Blocksatzes auch kaum lesbar sind. Im unteren Viertel finden sich „FONDS im Wochenvergleich“.

Ich hoffe, dass dieses Exemplar der „Kieler Nachrichten“ kein repräsentatives ist. Interessante Artikel bleiben eher oberflächlich, viele beinhalten kaum Erklärungen, dafür aber ein starkes Maß an Meinungen der Autoren. Was aber mindestens genauso erheblich ist, sind die fehlenden Autorennamen, sodass man nicht zurückverfolgen kann, wer für die Artikel denn verantwortlich ist. Es bleibt zu hoffen, dass Regional- und Lokalteil um Längen besser sind als der vorliegende überregionale Teil, der mit eigentlich nicht einmal sechs Seiten auch ziemlich kurz geraten ist. Wer die „Kieler Nachrichten“ also liest, sollte sie besser auch um weitere Informationsquellen bemühen. Dies ist selbstverständlich jedem zu empfehlen, doch nach der Lektüre und Analyse der Zeitung scheint es mir angebracht, gerade die Leser der „Kieler Nachrichten“ im Besonderen darauf hinzuweisen.