Politische Umfragen – Reine Medienwirkungsforschung

Gestern veröffentlichte die ARD wieder einmal ihren „DeutschlandTrend“. Das Unternehmen „Infratest dimap“ erhob per „Festnetz- und Mobilfunkstichprobe“ die Antworten von 1.000 Menschen ab 18 Jahren in Bezug auf drei Fragen und von 500 Menschen zu einer weiteren. Die Fehlertoleranz beträgt nach eigenen Angaben dabei zwischen 1,4% und 3,1%.

Nur 500 Menschen wurden nach den Sicherheitsmaßnahmen nach den Brüssel-Anschlägen befragt. Die genaue Fragestellung geht aus der Grafik nicht hervor, aber man kann wahrscheinlich davon ausgehen, dass drei Antwortmöglichkeiten vorgegeben waren: Die Sicherheitsmaßnahmen „[s]ollten in Deutschland verstärkt werden“, die Sicherheitsmaßnahmen „[s]ollten in Deutschland nicht verstärkt werden“ und „Ich weiß es nicht“. 77% der Befragten sprachen sich für eine Verschärfung aus, 21% dagegen, und das ist nicht überraschend. Sämtliche Medien haben in den letzten Tagen kaum andere Themen gekannt als die Anschläge. BILD titelte: „Wir sind im Krieg!“ Sämtliche Artikel im Politik-Ressort der Süddeutschen Zeitung auf ihrer Online-Präsenz bezogen sich gestern Mittag auf den Terror. Schon am Abend des 22.03. sendete die ARD selbst eine Spezial-Ausgabe der Talk-Show „hart aber fair“, die sich mit den Anschlägen und vor allem den angeblich nötigen neuen und weitreichenderen Sicherheitsmaßnahmen befasste. Nimmt es da Wunder, dass die Befragten, derart beeinflusst, überwiegend für eine Verstärkung plädieren? Und allein dieses Wort ist bereits dahingehend gewählt, dass die Befragten sich dafür entscheiden würden. „Verstärkung“ ist, etwa im Gegensatz zu „Verschärfung“, eher positiv konnotiert.

Auch zu dem derzeit scheinbar wichtigsten Thema, nämlich der Flüchtlingssituation, hat „Infratest dimap“ eine Frage gestellt, diesmal 1.000 Personen. Die Antworten sehen von der Verteilung her ähnlich aus: 20% der Befragten gaben an, dass die „Einigung zwischen EU und Türkei zu Flüchtlingen“ die „Situation bei uns entspannen“ werde, 77% der Befragten gaben das Gegenteil an. Auch hier ist wieder einiges zu bemängeln. Was bedeutet „bei uns“? Ist das die Europäische Union? Ist das Deutschland? Was soll „entspannen“ bedeuten? Eine Frage nach dem Zeitraum sollte ich vielleicht gar nicht erst zu stellen wagen. Doch auch bei dieser Frage zeigt sich der Einfluss der Medien sehr stark. Während die Bundesregierung in der Bundespressekonferenz neulich noch meinte, es sei nicht sinnvoll, bereits jetzt den Erfolg des Abkommens zu bewerten, lösen die Texte und noch viel eher die Bilder in den Medien in der Bevölkerung Emotionen aus. Es ist nicht lange her, da ging das „Kommando Norbert Blüm“ durch die Presse, ebenso die Flüchtlinge, die in Folge dessen versuchten, die mazedonische Grenze zu überqueren. Es gab Bilder aus Flüchtlingsunterkünften, von einer Mutter, die im Flüchtlingslager ein Kind quasi im Dreck gebar. Es ist nicht verwunderlich, dass die Bevölkerung angesichts solcher Bilder glaubt, dass sich die „Situation bei uns nicht entspannen“ werde.

Eine dritte Frage scheint ohne Zusammenhang mit einer derzeitigen Situation zu stehen, zumindest wird keiner kenntlich gemacht. Es geht um den „[a]ktuelle[n] Umgang mit verfügbarem Geld“. Möglicherweise bezieht es sich auf Überlegungen von Banken, Negativzinsen für jedes Konto einzuführen, oder Kontoführungsgebühren zu erhöhen. 42% der Befragten meinten, sie „spare[n] eher“, während 51% der Personen angab „Geld eher aus[zugeben]“. Mangels genauerer Informationen verzichte ich hier auf eine Bewertung dieser Umfrage.

Am bekanntesten ist der „ARD-DeutschlandTrend“ sicher für die Ergebnisse der sogenannten „Sonntagsfrage“: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre? Dabei erhält die CDU/CSU 34%, die SPD 22%, die AfD 13%, die Grünen 12%, die Linke 8% und die FDP 7% der Stimmen. Auch hier lohnt es sich, einmal anzuschauen, welche Themen derzeit in den Medien von Bedeutung sind. Flüchtlinge. Und sonst? Die Anschläge in Brüssel. Kein Wunder, dass AfD und FDP im Vergleich zu der Umfrage vom 29. Februar stärker geworden sind. Beide versuchen, möglichst viele Flüchtlinge aus Deutschland herauszuhalten, wenn sie auch verschiedene Wege nennen. Sowohl die Zustimmung für CDU/CSU, als auch für die SPD dagegen sind gesunken, obwohl diese beiden – als Regierungsparteien – dafür sorgten, dass de facto keine Flüchtlinge mehr nach Deutschland einreisen können. Doch für die Regierung steht nur die Kanzlerin, die nach wie vor verkündet, dass Deutschland „das schaffe“ (was auch immer). Und bei wenigen in der Bevölkerung kommt an, was sie wirklich tut; die Medien zeigen das kaum und versteckt.

Man sieht an diesen Umfrage-Ergebnissen, dass die Bevölkerung sehr stark von den Medien, deren Vertretern und den in den Medien auftretenden Politikern hinsichtlich ihrer politischen Meinung beeinflusst und manipuliert wird. Und das ist nicht überraschend: Nahezu alles, was man zur Politik hört, dringt über die Medien zu einem, seien es nun aus dem Fernseher, der Zeitung oder über Twitter. Gerade die „traditionellen“ Medien haben das politische Geschehen durch diese Beeinflussung in der Hand und versichern sich mittels Umfragen, ob sie die Wirkung erzielten, die sie erzielen wollten. Die Umfragen dienen jedoch nicht nur den Medien, sondern auch den Politikern, denn diese können ebenfalls erfahren, ob sie sich in den Medien gut präsentierten und der Bevölkerung gefielen. Nur sonst nützen die Umfragen kaum jemandem: Die Bevölkerung hat nichts davon. Oder kann mir einer erzählen, was es ihm bringt, zu wissen, wie viele Menschen prozentual bei einer Bundestagswahl in dieser Woche die FDP wählen wollen, oder dass rund 50% der Menschen meinen, sie gäben ihr „Geld eher aus“?

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