Kein Medientheater, keine Flüchtlinge, keine AfD

Gestern schrieb ich, dass meine, so wie alle verfallenen Zweitstimmen, sämtlichen Parteien, die in den Landtag einziehen, nutzen, jedoch nicht der Partei, der ich meine Stimme gab. Ich bin daher in gewissem Maße für eine erhöhte Sitzzahl für SPD, CDU, AfD, FDP und Grünen in Rheinland-Pfalz verantwortlich, ohne dies beabsichtigt zu haben. Man kann mir also vorwerfen, dass ich die AfD gestärkt hätte.

Ich bin aber der Meinung, dass die Hauptschuld bei den Medien zu suchen ist und muss, um das zu belegen, ein wenig abschweifen.

Die Talkshows vom 13.03. hatten offiziell das Ergebnis der Landtagswahlen als Thema, beschäftigten sich aber mit der Flüchtlingssituation (nicht der Situation der Flüchtlinge, sondern der Situation, die meist als „Flüchtlingskrise“ betitelt wird, in der ich aber keine Krise sehe). Das Wahlverhalten der gesamten Bevölkerung wurde auf diese Situation zurückgeführt; Merkels Kurs sei gestärkt, die, die eine Obergrenze einführen wollten, seien abgestraft worden. Dazu möchte ich schon einmal anführen: Für mich war die Flüchtlingssituation kein Einflussfaktor auf meine Wahlentscheidung. Aber vielleicht ist es tatsächlich ausschlaggebend für viele Wähler gewesen und die Medien stellen das nicht nur fest, sondern tragen auch die Schuld daran.

Die Flüchtlinge waren aber nicht nur bestimmend für die Talkshows der Wahlnacht, sondern für fast alle der vergangenen Wochen und Monate. Sie dominierten ferner alle Nachrichten und bezeichnend ist auch, dass in den Regierungspressekonferenzen in der Bundespressekonferenz oftmals bis zu zwei Drittel der Zeit für Fragen rund um die Flüchtlingssituation verwandt wurden.

Dabei ist das Thema eigentlich ziemlich irrelevant für den einzelnen Bürger. Die einzigen Flüchtlinge, auf die ich stieß, saßen im Zug oder standen am Bahnhof, drauf und dran, in eine Unterkunft gebracht zu werden. Ich hatte, ebenso wie alle anderen, die ich dort sah, keinerlei Probleme, nicht einmal Berührungen gleich welcher Art mit ihnen. Sie hätten ebenso gut irgendwer anders sein können, man nahm keine Notiz von ihnen. Gut so, denn wer möchte schon angestarrt werden?

Die, die die Flüchtlingssituation als Problem ansehen, sind die Medien, und diese Situation wird derart aufgeblasen, dass es das dominierende Thema in der Bevölkerung wurde. Wenn man kaum Nachrichten über andere Themen hört und sieht, muss man sich, mangels anderer Themen, eben über die Flüchtlinge unterhalten. Da die Flüchtlinge derart dominierend wurden, ist es nun auch nicht verwunderlich, dass Fehlinformationen die Runde machten und auch anderweitig Angst entstand, was letztendlich bei jenen, die sich nur bedingt für Politik interessieren, durchaus dazu führen konnte, dass sie ihre Wahlentscheidung nun tatsächlich von den Antworten der (Bundes-(!))parteien auf die Flüchtlinge abhängig machten. Wenn man in den Abendnachrichten und den Zeitungen nur von einem Thema hört, richtet man seine Entscheidung danach, wie Politiker mit ebendiesem Thema umzugehen gedenken.

Ähnlich war es bereits vor fünf Jahren, vor den letzten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Da war die große Nachricht das havarierte Atomkraftwerk Hukusima Daiiti (Fukushima Daiichi; 福島第一(原子力発電所)). Die Gefahr der Atomkraft war wieder in aller Munde und die Grünen, die für den sogenannten Atomausstieg standen wie keine andere Partei, erhielten mehr als überdurchschnittlich viele Stimmen.

Die Flüchtlinge sind für die Medienwelt das derzeitige Hukusima, das große Thema. Und so nimmt es auch nicht Wunder, dass viele Menschen die AfD wählen, die durch dieses Thema und damit durch die Medien groß wurde, gleich ob ihre Vertreter zu Talkshows eingeladen worden sind oder nicht.

Stefan Schulz bot im Aufwachen-Podcast und bei Twitter (in einem Tweet, den ich bedauerlicherweise nicht mehr finde) eine sehr einfache Lösung an: Macht den Fernseher aus (oder die Augen zu)! Wer keine Nachrichten über die Flüchtlinge hört und sieht, bekommt gar nichts von ihnen mit. Ohne Maus-zu-Elefant-Berichterstattung der Medien hätte die AfD wohl niemals solche Zustimmungswerte erhalten und solche Wahlergebnisse erringen können.

Daher, liebe Medien, nehmt euch ein wenig zurück. Eure Nachrichten und Artikel werden auch gelesen, wenn ihr über andere Themen berichtet. Eure Talkshows werden auch gesehen, wenn über etwas Anderes gesprochen wird. Und, liebe öffentlich-rechtliche Medien, das Geld bekommt ihr ohnehin als Zwangsgebühren, ihr müsst gar nichts durch Werbung finanzieren, sodass ihr auch gar nicht an Einschaltquoten-Rennen teilnehmen müsst. Berichtet ausreichend, aber nicht übertrieben.

Natürlich kann es auch ein Schachzug der Medien sein, der wirklich beeindruckend wäre, hätten sie die Flüchtlingssituation genutzt, um ein weiteres Thema, nämlich die AfD, aufzubauen, um sich weiterhin das Interesse der Konsumenten zu sichern. Dies wäre aber nicht nur perfide, sondern unter Umständen auch gefährlich. Ergebnisse in Landtagswahlen sind das eine, Situationen wie in Polen, die entstehen können, das nächste.

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4 Kommentare zu „Kein Medientheater, keine Flüchtlinge, keine AfD

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