Drogen töten Menschen und gehören dennoch nicht verboten

Lieber Kim Björn Becker,

vielleicht erinnern Sie sich ja an mich. Vor mittlerweile vier Jahren, wenn ich mich recht entsinne, kurz bevor Sie bei der Süddeutschen Zeitung zu arbeiten begannen, saß ich als Student im ersten Semester bei Ihnen im Pflichttutorium zur Vorlesung „Das politische System der Bundesrepublik Deutschland“.

Nun habe ich gerade Ihren Kommentar auf sueddeutsche.de gelesen. Ihre These ist, und so lautet auch die Überschrift: „Die Risiken von Drogen werden heruntergespielt.“ Der „Umgang mit illegalen Drogen“ sei „zu lax“ und dies gelte „auch für Cannabis“, sagen Sie. Wollen Sie damit eine Forderung nach härteren Maßnahmen, höheren Strafen, strengeren Gesetzen aussprechen? Sie meinen, dass „junge Erwachsene verstärkt mit neuartigen psychoaktiven Substanzen experimentieren, die sie oft als vermeintlich legale Stoffe auf ausländischen Internetseiten beziehen.“ Dies seien gefährliche Drogen. Und weiter?

Sie wissen doch sicher, dass Deutschland ein Betäubungsmittelgesetz hat und dass die Strafen, die auf den Besitz, den Handel und die Einfuhr stehen, mitunter ziemlich hoch sind und bis zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe reichen. Sollen die Sanktionen gegenüber straffällig gewordenen Personen noch erhöht werden, damit der „Umgang mit illegalen Drogen“ weniger lax werde, dass die Bevölkerung besser aufpasse und vorsichtiger handle? Oder soll Ihr Kommentar ein Aufruf an die Bevölkerung selbst sein? „Nehmt keine Drogen, sie sind gefährlich! Auch Cannabis!“

Denn Cannabis, so sagen Sie, sei „vergleichsweise harmlos“ und so werde „gern übersehen, dass [es] als Türöffner für andere Mittel in Wahrheit hochgefährlich ist.“ Sie gehen also davon aus, dass, sollte Cannabis legalisiert werden, viele Konsumenten auch andere Drogen ausprobieren würden. Wie kommen Sie darauf? Cannabis ist eine Droge und Crystal Meth ebenfalls. Das heißt aber nun nicht, dass jedem Kiffer auch Crystal Meth gefiele. Denn sind nicht Rosenkohl und Blumenkohl beides auch Kohlsorten? Letzteren esse ich, ersteren finde ich ziemlich widerlich.

Den „zuletzt enorme[n] Anstieg der Drogentoten um fast ein Fünftel“ führen Sie auf zwei Ursachen zurück. Einerseits sind sie „das Ergebnis jahrelanger Drogenkarrieren“, eine Meinung, die nur schwer von der Hand zu weisen ist. Denn das stimmt. Aber es geht dabei nicht nur um Heroin oder Kokain, sondern auch um Alkohol und Nikotin. An den Folgen des Saufens und des Rauchens sterben nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit im Durchschnitt viel mehr Menschen als an denen anderer Drogen. Und der Besitz, der Handel und auch die Einfuhr von Alkohol und Nikotin sind in Deutschland legal. Als zweite Ursache führen Sie die oben angesprochenen „neuartigen psychoaktiven Substanzen“ an. „Niemand weiß, welche Chemikalien darin enthalten sind – und in Kombination mit Cannabis oder Alkohol ersetzt der pure Zufall den Goldenen Schuss.“ Sie sprechen es selbst aus, sogar zweimal: das ist „der pure Zufall“, ein „verhängnisvolle[r] Zufall“. Ein Zufall, der in Ihren Augen aus einer „Kultur der falschen Offenheit, auch gegenüber unbekannten Präparaten“, entstehen kann. Glauben Sie wirklich, dass der Grund für einen derartigen Anstieg in einem Zufall zu finden ist?

Es sind auch die Drogen selbst, die die Menschen töten, und, wie schon erwähnt, aber hier noch einmal wiederholt, da es keinesfalls vergessen werden darf, gehören auch Nikotin und Alkohol dazu. Hier sollte sich niemand es vormachen. „Man kann es sich nun leicht machen und sagen: selbst schuld“, schreiben Sie. Und das ist meine Meinung. Aber warum mache ich es mir damit leicht? Wenn jemand sich dazu entschließt, Drogen zu nehmen, und dann abhängig wird, ist er nun einmal verantwortlich dafür. Das geht mich als Außenstehender, der einzelne Opfer in überwiegender Zahl nicht kennt, nichts an. Aber wichtig und sinnvoll ist es, den Konsumenten wieder von den Drogen wegzubekommen, wenn er das wünscht. Und hier ist der Punkt, an dem der Staat eingreifen müsste. Schärfere Gesetze werden nicht gebraucht. Mehr Beratungsstellen, mehr Einrichtungen für Entgiftungen und Entzug sind nötig. Und hierfür werden finanzielle Mittel benötigt. Ich kann nun wiederum auch jene verstehen, die hier ebenfalls sagen: „Es sind meine Steuergelder, mit denen die Anlaufstellen für Abhängige finanziert würden, und die Abhängigen gehen mich nichts an, da ich sie gar nicht kenne.“ Aber die Gelder hat der Staat ohnehin bereits und zieht sie weiter ein, gibt sie aber lieber anderweitig aus. Nach wie vor ist der Wehretat zu hoch, für die Bankenrettung wurden viele Milliarden ausgegeben (und mit der Griechenland-„Rettung“ wiederum noch viele mehr eingenommen)…

Eines möchte ich Ihnen aber noch sagen: Ich spreche mich für die Legalisierung für Cannabis aus. Denn: Das geht mich nichts an. Und es geht auch den Staat nichts an. Jeder hat das Recht, zu essen, zu trinken und anderweitig einzunehmen, was immer er wünscht. Das ist Teil der allgemeinen Handlungsfreiheit, die aus Art. 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland abgeleitet wird. Wo ist der Unterschied zwischen Cannabis und Alkohol, zwischen Cannabis und Nikotin im Sinne dieser Freiheit? Und wo ist der Unterschied zwischen Alkohol und Amphetaminen, zwischen Nikotin und Heroin? Ich halte es für falsch, jemanden mittels Gesetz davon abzuhalten, etwas davon einzunehmen. Es geht mich nichts an. Und wer Drogen konsumieren möchte ist eben „selbst schuld“.

Mit freundlichen Grüßen,

Norman

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2 Kommentare zu „Drogen töten Menschen und gehören dennoch nicht verboten

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