„Nachhaltiger Konsum“

Im Bundestag wurde die Bundesregierung heute zum Thema „Nachhaltiger Konsum“ befragt. Das Wort „Nachhaltigkeit“ wird in letzter Zeit immer beliebter und soll eine lang anhaltende Wirkung beschreiben. Der Duden schreibt so auch im Eintrag „Nachhaltigkeit“: „längere Zeit anhaltende Wirkung“. Barbara Hendricks, derzeit Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, erklärte, dass es ein Beispiel für „Nachhaltigen Konsum“ sei, wenn man sich in der Nachbarschaft zusammen eine Bohrmaschine anschaffe und teile. „Wussten Sie zum Beispiel“, fragte sie ihre Zuhörer, „dass eine Bohrmaschine im Durchschnitt pro Jahr nur 1,5 Minuten, also anderthalb Minuten im Jahr, läuft? Und überlegen Sie mal, wie viele Bohrmaschinen es in den Kellern der Bundesrepublik Deutschland gibt.“ Es folgte leises Gelächter.

Es scheint Frau Hendricks und dem Rest der Bundesregierung leider nicht aufgefallen zu sein, dass „Nachhaltiger Konsum“ eine, insbesondere in diesem Zusammenhang, äußerst merkwürdige Wortverbindung darstellt. Was Nachhaltigkeit bedeutet, habe ich oben dargelegt, das Wort „Konsum“ stammt von dem lateinischen Wort „consumere“ ab, welches „verbrauchen“ bedeutet, und der Duden definiert Konsum als „Verbrauch (besonders von Nahrungs-, Genussmitteln); Verzehr, Genuss“. „Nachhaltiger Konsum“ ist also ein Verbrauch mit lang anhaltender Wirkung. Es gibt selbstverständlich Anwendungsmöglichkeiten dieses Ausdrucks. Es ist eindeutig ein „Nachhaltiger Konsum“, wenn man so viel isst, dass man auch am nächsten Tag kein Hungergefühl verspürt. Auch das Entzünden eines Lagerfeuers, das noch bis in den nächsten Tag hinein brennt, kann man als „Nachhaltigen Konsum“ bezeichnen. Den Kauf eine Bohrmaschine zusammen mit den Nachbarn aber nicht. Selbstverständlich hält die lang, aber dafür braucht man nicht die armen Nachbarn einzuspannen. Wenn ich der einzige bin, der damit bohrt, nutzt sie sich nicht so schnell ab und hält viel länger, verbraucht sich also nicht so schnell.

Liebe Frau Hendricks, liebe Bundesregierung, ich weiß, was Sie damit ausdrücken wollen, aber warum wählen Sie nicht einfach eine verständlichere Sprache, dass Sie nicht selbst durcheinander kommen und so auch ziemlichen Unsinn erzählen? Das macht es den Bürgern leichter, das macht es Ihnen leichter und ich bräuchte nicht hinter Ihnen herräumen. Sprechen Sie doch nicht von „Konsum“, wenn Sie den „Kauf“ meinen. Ich weiß, dass „Nachhaltiger Einkauf“ nicht so fürchterlich toll hochgestochen klingt, aber dafür geht es schon mal in die richtige Richtung. Es könnte etwa einen Kauf von Lebensmitteln, mit denen man zwei Wochen auskommt, und der u.U. Benzin spart, wenn man mit dem Auto einkauft, da man nicht so häufig los muss (und das sollte Ihnen als Ministerin für Umwelt und Naturschutz doch eine Herzensangelegenheit sein), bezeichnen, womit wir schon näher an Ihrer Intention wären. Damit Sie auch noch etwas zu denken haben, können Sie sich ja überlegen, wodurch man das Wort „Nachhaltig“ ersetzen könnte, damit Sie bei Ihrem Bohrmaschinenbeispiel bleiben können. Ich kann mich ja nicht um alles kümmern.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s