Der Vorwahlkampf in den USA

Seit bereits geraumer Zeit findet in den USA Wahlkampf statt; ein Wahlkampf, in dem verschiedene Vertreter der einzelnen Parteien gegeneinander antreten, um herauszufinden, wer von ihnen die eigene Partei letztendlich vertreten darf. Es soll das Problem der Amerikaner und insbesondere der Wahlkämpfer selbst sein, wenn sie ihr Budget bereits zu diesem Zeitpunkt aus dem Fenster werfen wollen, aber bedauerlicherweise bekommen auch die deutschen Medien nicht genug von dem Trubel. Dabei sind die relevanten Wahlen noch knapp ein Jahr entfernt: die US-amerikanischen Bürger wählen erst am 08. November ihren zukünftigen Präsidenten (oder eigentlich nur die Personen, die den Präsidenten am Ende wählen). Wieso müssen die Medien also auch hier derart ausflippen und berichten, wer nun ihrer oder anderer Leute Meinung nach in Fernsehdebatten, die eher parallelen Interviews ähneln, besonders gut oder schlecht abschneidet?

Die USA mögen in der Welt eine bedeutende Rolle einnehmen und das gebe ich ohne Umschweife zu, auch wenn ich mir sicher bin, dass die Weltordnung in kurzer Zeit noch stärker multipolar aussehen wird, als sie es nun schon tut, gleich wie hoch der Militäretat der USA sein mag. Doch nehme man nun die acht Jahre der Präsidentschaft Obamas und schaue sich an, was er erreicht und verändert hat: viel fällt einem nicht ein. Er hat Soldaten aus dem Nahen Osten abgezogen, stattdessen Drohnen hingeschickt und die Soldaten dann in Flugzeugen mit Bomben wieder in den Nahen Osten zurückkehren lassen. Er bemühte sich, für eine flächendeckende Versorgung der US-Bürger mit Krankenversicherungen zu sorgen. Und sonst? Die Spionage unter US-Bürgern hat er nicht beendet, ganz zu schweigen von Ausspitzeln der Bürger anderer Staaten, das Gefangenen- und Folterlager nahe Guantánamo (wer sich noch einmal ins Gedächtnis rufen möchte, was dort passiert, möge sich bitte dieses Interview mit dem Deutschen Murat Kurnaz, der dort ohne Grund viereinhalb Jahre festgehalten wurde und unter übelster Folter litt, anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=A7Oz4aO6nvA (tatsächlich würde ich jedem raten, sich dieses Interview einmal anzuschauen)) ist nach wie vor nicht aufgegeben worden, die USA verletzen noch immer täglich die Hoheit anderer Staaten in deren Staatsgebiet, die Gefängnisse sind so voll, dass der Staat nicht genug Wachpersonal hat und dessen Aufgaben an private Firmen abgibt. Hat sich so irgendetwas von Bedeutung unter Herrn Obama geändert? Nein. Erwarten die deutschen Medien nun allen Ernstes, dass dies unter dem nächsten Präsidenten der USA der Fall wäre? Das kann es wohl nicht sein.

Nein, der Grund scheint viel eher zu sein, dass die Bevölkerung sich hierzulande empörten soll! Denn könnte jemand in Deutschland, den man auf der Straße fragt, auch nur zwei Mitbewerber Trumps um den „Kandidatentitel“ bei den Republikanern nennen? Oder gar die beiden Konkurrenten Clintons? Sicherlich kaum einer. Für die Deutschen besteht die Unterhaltung darin, sich über Trumps Aussagen zu echauffieren und zu hoffen, dass Clinton als Gewinnerin im Messen mit Trump im November hervorgehen wird, denn hat man in den deutschen Medien auch nur einmal etwas Negatives über die Frau des ehemaligen US-Präsidenten gehört? Und weil man keinen Mitbewerber kennt, bekommt man auch nicht mit, was die so sagen. Und da ist bei den meisten Republikanern kaum ein Unterschied zu den Aussagen und Meinungen Trumps festzustellen. Sanders zu erwähnen, fällt wohl auch kaum einem ein. Der linke Spinner hat eh keine Chance gegen die große Hillary, die Merkel der USA („gemeinsame Lösung“; „ich bin eine Frau, so wählt mich doch“); da braucht man doch die Bevölkerung nicht mit noch einem Namen zu belästigen.

Währenddessen fanden am letzten Samstag die Präsidentschafts- sowie die Parlamentswahlen in der Republik China, ergo Taiwan, statt. Dass das der Fall war, hörte man in den deutschen Medien mit Glück einen Tag später, als kurze Meldung und mit einem groben Überblick über die Lage. Das Gleiche sehe ich heute: Morgen finden die Präsidentschaftswahlen in Portugal statt, die insbesondere wegen der Folgen der letzten Parlamentswahlen und der anschließenden Taten des derzeitigen Präsidenten Aníbal Cavaco Silva äußerst interessant und von großer Bedeutung, auch für die Europäische Union und damit für Deutschland, sind. Hört man aber in den deutschen Medien, insbesondere in den reichweitenstarken Massenmedien wie den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern oder den überregionalen Tageszeitungen etwas dazu? Wieso nicht? Wieso ist ein derartiges Ereignis maximal eine Kurzmeldung wert, während man aber bereits über die Wahlkämpfe zu den Vorwahlen in den USA genauestens berichtet? Die Auswirkungen der Wahlen in Portugal sollten bedeutender sein. Und daher wäre es hier mindestens genauso nötig, auch Einblicke in den Wahlkampf zu geben. Wieso wurde eigentlich nicht schon vor einem Jahr davon berichtet? Das geschieht doch auch mit den Wahlkämpfen in den USA. Und dort geht es nicht einmal um die Präsidentschaft; nein, es sind innerparteiliche Wahlen. Es geht sogar noch weiter, denn hat man bereits ein Jahr vor den innerparteilichen Wahlen zum Parteivorsitz verschiedener deutscher Parteien berichtet? Nein, in den deutschen Medien jedenfalls nicht. Sind die amerikanischen Präsidentschaftswahlen etwa sogar wichtiger als die deutsche Politik? Na, wenn das kein Verweis darauf ist, wie machtlos die deutsche Politik wirklich ist, benimmt sie sich doch wie laut Radosław Sikorski die polnische Politik es auch tut: sie bläst den Amerikanern einen (schaut nach, das hat der ehemalige Außenminister Polens tatsächlich gesagt; und Recht damit gehabt).

Ich möchte den deutschen Medien, und das schließt Zeitungen und Zeitschriften, das Fernsehen, das Radio, Blogs, kurz: alle, ein, eines raten: Ignoriert den dämlichen Vorwahlkampf in den USA; fächert die Berichterstattung stattdessen besser auf: Die Wahlen der EU-Mitgliedsstaaten sind ebenfalls von Bedeutung, und jede nationale Parlaments- und Präsidentenwahl auf dieser Welt sollte wichtiger sein als innerparteiliche Auseinandersetzungen in den USA.

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3 Kommentare zu „Der Vorwahlkampf in den USA

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