Die „Berliner Erklärung“

Der Sicherheitswahn der CDU und CSU ist ja oft maßlos übertrieben, aber die „Berliner Erklärung“ schlägt dem Fass wirklich den Boden aus. Die Innenminister der beiden Parteien haben sich da nämlich für richtigen Mist ausgesprochen.

1. Verbot der „Vollverschleierung“
Wie kann man sich herausnehmen, den Leuten vorzuschreiben, was sie zu tragen haben, gleichzeitig aber ablehnen, den Leuten vorzuschreiben, was sie zu essen haben? Ich halte diese Vorschriften allesamt für frech, mir hat niemand so etwas vorzuschreiben. Das ist ein Eingriff in persönliche Freiheiten, und obendrein einer, der gar nichts nützt. Wenn das eine Reaktion auf die Taten in Würzburg und Ansbach sein soll, dann frage ich mich wirklich, wie man auf so einen Unsinn kommt. Waren die Täter dort „vollverschleiert“? „Vollverschleiert“ sind eher die Hirne derer, die die „Berliner Erklärung“ verabschiedeten. Aber anscheinend macht man sich auch andernorts Sorgen, um Verschleierung. Ebenso unverständlich. Wieso können die Leute nicht tragen, was sie wollen? Darf man dann eigentlich noch Motorrad oder Ski fahren? Dort ist man für gewöhnlich auch „vollverschleiert“.

2. Keine doppelte Staatsbürgerschaft mehr
Auch das ist etwas, was nun wirklich gar nicht gegen möglichen Terror helfen würde und sorgt nur für eines: das mögliche Entziehen doppelter Staatsbürgerschaft, um komplett willkürlich insbesondere unliebsame Bürger abschieben zu könne. „Was, Sie sind Deutscher und Tunesier? Nun, jetzt nicht mehr. Und jetzt verschwinden Sie besser nach Tunesien, wir wollen nämlich nur Deutsche hier!“ Staatsbürgerschaftsentzug wurde in Deutschland schon einmal umgesetzt und halbwegs Gebildete wissen, wann das war und wozu das führte. Der folgende Satz ist aber wirklich eine Wucht: „Wer sich für die Politik ausländischer Regierungen engagieren will, dem legen wir nahe, Deutschland zu verlassen.“ Zumindest laut dem Standard steht das tatsächlich in der „Berliner Erklärung“ der CDU und CSU. Dann sind wenigstens bald NSA und BND aus Deutschland raus. Die engagieren sich schließlich für die US-amerikanische Regierung.

3. Aufweichung der ärztlichen Schweigepflicht
Thomas de Maizière hat bestimmt Angst vor Ärzten, denn die sind ja anscheinend sein Lieblingsthema. Sie verhindern seine geliebten Abschiebungen, und so muss man ihnen einmal mächtig auf die Glocke hauen, damit sie sich auch systemkonform verhalten. So geht das ja nicht! „Eine Gesetzesänderung soll es Ärzten künftig erlauben, die Behörden über geplante Straftaten ihrer Patienten zu informieren“, schreibt der Standard. Fragen die Behörden dann an? „Nun, Herr Psychologe, der Herr …, der da bei Ihnen in Behandlung ist, der ist depressiv, richtig? Sie müssen uns das schon sagen, denken Sie an, na, Sie wissen schon, der Flugzeugabsturz. Ist er, ja? Ha, eine Straftat ist doch sicher schon geplant! Selbstmordabsichten? Wirklich? Dann will der doch sicher Leute mitnehmen. Mit einer Bombe, genau! Geplante Straftat.“
„‚Das Patientengeheimnis dient dem Schutz der Privatsphäre der Patienten und wird als Grundrecht durch die Verfassung geschützt‘, so der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery“, gibt der Standard wieder. Bitte, Herr Montgomery, setzen Sie sich weiter entschieden gegen diese Aufweichung ein! Sie haben meine volle Unterstützung!

In der „Berliner Erklärung“ steht noch eine ganze Menge mehr: mehr Polizisten einstellen (nachdem man die Zahl vorher drastisch reduzierte; woher kommt denn plötzlich das Geld?), Moscheen überwachen (werden dann auch Kirchen, Synagogen, Sikh-Tempel etc. überwacht?), mehr Abschiebungen, auch aus neuen Gründen, etwa der „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“ (die bestimmt lieber nicht präzise definiert werden wird). Ich habe nie viel von CDU und CSU gehalten und noch viel weniger von deren Innenpolitik, aber ich empfinde nur noch Abscheu und mir fehlen die Worte, das weiter zu beschreiben.

 

Nachtrag (11.08.2016): Ich las heute Folgendes: „Nach heftiger Kritik vonseiten der Ärzteschaft relativierte de Maizière gestern diese Pläne. Die Schweigepflicht werde nicht aufgeweicht, mit Blick auf psychiatrische Auffälligkeiten soll im Dialog mit Ärzten aber eine Lösung gefunden werden, wie eine mögliche Gefährdung verringert werden könne. Wie das konkret funktionieren soll, ist unklar.“ Das klingt nicht gut, aber wenigstens besser. Ich bin gespannt, was der Innenminister sich nun mit seinem Haus und seinen Kollegen ausdenken wird, fürchte aber, dass es auch nichts allzu Gutes sein wird.

Mit Religion gegen Religion

KeomaNullZwei verfasste heute Morgen einen Tweet, der zum Denken anregt: „Auf einer Welt, wo Religion die Wurzel allen Übels ist. Warum ist da bei Katastrophen der Hashtag immer „PRAYfor…“?“ Die letzten Tage und Wochen fand man in der Tat Hashtags wie #PrayForNice, #PrayForTurkey, #PrayForSyria und noch einiges mehr. Heute Morgen wird mir nun angezeigt, dass rund 66.000 Tweets den Hashtag #PrayForJapan abgesetzt wurden.

Auch wenn Religion diesmal anscheinend nichts mit der Tat zu tun hatte, ist die Frage dennoch berechtigt. Wieso reagieren so viele Menschen angeblich mit einer religiösen Handlung, einem Gebet, auf Morde oder andere Verbrechen, die aus Religiosität begangen wurden? Und das mehrere hundert Jahre nach der Aufklärung. Und auch in Deutschland; einem Land, in dem rund ein Drittel der Bevölkerung konfessionslos ist und in dem nur fünf Prozent wöchentlich einen Gottesdienst besucht.

Der Hashtag stammt wahrscheinlich wieder aus den USA und dort ist die Anzahl religiöser Menschen, auch prozentual gesehen, deutlich höher. 55% der Bevölkerung bezeichnen sich als „sehr religiös“. Aber das ändert an der Frage nichts.

Man sieht, wie sehr Religion noch immer im Denken vieler verwurzelt ist. Ich persönlich käme nie auf die Idee, für die Toten eines Verbrechens zu beten, aber ich würde allgemein nicht beten. Ich bin auch nicht wirklich im Bilde, was die Gebete bewirken sollen. Sind sie überhaupt für die Toten und was bringen sie ihnen? Sind sie vielleicht für den Täter oder die Familien oder alle zusammen?

Der Ausdruck der eigenen Emotionen, wenn vorhanden, in einem Gebet mag für manche eine normale Reaktion sein. Wenn jemand gestorben ist, wird gebetet. Ginge man von diesem Punkt aus und würde logisch denken, kämen diese Leute aber gar nicht mehr aus dem Beten heraus, denn sicher sterben auf der Welt nahezu minütlich Menschen, Beachtung finden bei den Betenden aber nur die bei Katastrophen ums Leben gekommenden.

Ein anderer Grund mag sein, dass ein Gebet der einzige Weg scheint, den Betroffenen vielleicht irgendwie helfen zu können. Die Menschen in Nizza und in Sagamihara benötigen keine Care-Pakete und man muss auch nicht für sie sammeln, insbesondere nicht, wenn man wirklich den Toten helfen will. Auch Bomben scheinen ja nicht viel zu nützen, ganz im Gegenteil. #PrayForSyria war die Antwort auf ein Bombardement einer Gruppe Zivilisten in Syrien durch die US-amerikanische Luftwaffe selbst. Und wenn einem gar nichts mehr Weltliches einfällt, bleibt einem Gläubigen nur ein Gebet.

Natürlich wird das nicht viel ändern, insbesondere wenn die einzige Handlung einer Person ein Tweet mit einem der genannten Hashtags bleibt. Aber es beruhigt vielleicht einfach das Gewissen. Andere Leute, oder auch die gleichen, unterschreiben Online-Petitionen, die genauso wenig Aussicht auf Erfolg haben.

Diese Beruhigung des Gewissens ist der vielleicht einzige Sinn, den Religion heutzutage in der Welt der Wissenschaft noch hat. Religion muss, mit wenigen Ausnahmen, keine Herrscher mehr legitimieren. Religion muss, mit wenigen Ausnahmen, keine Naturereignisse mehr erklären. Religion muss nur noch die Menschen, auch gegen andere, zusammenhalten und das eigene Gewissen beruhigen. Und das sieht man nun auf beiden Seiten der Katastrophen. Die eine Seite sprengt sich, sich auf Religion berufend, in die Luft und nimmt eine ganze Reihe an Menschen mit. Dies wird als Martyrium bezeichnet; man spricht auch von einem heiligen Krieg. Man tritt zusammen unter der Flagge einer Religion geeint gegen andere auf. Und das letzten Endes nur aufgrund der Annahme, dass der eigene Glaube, der nicht bewiesen werden kann, der Richtige wäre. Die andere Seite tritt zusammen, zumindest vorgeblich, unter der Flagge einer anderen Religion auf und beweint die Tragödien. Die Andersgläubigen wären ja wahnsinnig, wie können diese so etwas tun? Für uns wäre das unvorstellbar.

Viele merken kaum, dass sie unter dieser Religionsstandarte stehen. Sie wollen nur Anteil nehmen oder haben und gehört werden. „Ich habe auch von der Katastrophe gehört, seht ihr?“ Sie nutzen den eigentlich religiösen Hashtag als Trittbrettfahrer und ignorieren die Bedeutung dahinter.

Im Grunde kann mir das alles gleich sein. Sollen die Leute doch auf ihre anscheinend noch immer tief in ihnen verwurzelten Religionen zurückgreifen. Aber das ändert ja nichts. Und wenn sich beide Seiten immer weiter in ihre Religionen zurückziehen, grenzen sie sich gleichzeitig immer weiter voneinander ab und graben sich in ihren Meinungen und Positionen ein.

Aus einigen Ländern hört man doch schon, dass man keine Muslime mehr einlassen möchte. Wer weiß, ob die sich nicht in die Luft sprengen würden? Oft sind das relativ streng christlich geprägte Länder. Und so entsteht langsam eine Spirale des Hasses, die es nun wirklich nicht auch noch braucht; beide Seiten versteifen sich immer mehr. Die Hashtags sind natürlich nur ein Ausdruck, ein Symptom, aber an ihnen kann man doch so einiges ablesen.

#VKritik – Kulturgeschichte Japans – Ankündigung zu Zitaten und Anekdoten

Wie ich bereits im Wintersemester mit den Anekdoten und Zitaten aus der „Japanische Landeskunde“-Vorlesung verfuhr, werde ich auch jetzt mit denen aus der Kulturgeschichte-Vorlesung vorgehen, wenn auch leicht verändert.

Während ich die Landeskunde-Anekdoten im Semester per Twitter verbreitete, habe ich mich aber dazu entschieden, dies diesmal in der vorlesungsfreien Zeit zu tun. Das hat den einfachen Grund, dass ich im Laufe des Semesters hier im Blog zu den Sitzungen schrieb und meine Aufzeichnungen auch in den Semesterferien verbreiten können möchte. In den letzten Semesterferien war nicht mehr allzu viel über, da ich tatsächlich fast jeden Tag des Wintersemesters etwas aus der Vorlesung mitteilte.

Über die Frequenz muss ich noch nachdenken, aber ich verspreche, dass ich zumindest morgen das erste Kulturgeschichte-Zitat veröffentlichen werde. Unter dem Hashtag #VKritik findet man nach wie vor die alten Anekdoten und darunter werde ich auch die neuen zum Besten geben. Auch die Tweets zum Podcast zum Projekt findet man unter diesem Hashtag. Wem das Projekt gefällt, der kann sicher auch über die Merkwürdigkeiten schmunzeln, die bisher nicht im Rahmen des Blogs bekannt wurden; wer selbst in der Vorlesung saß, wird sich bestimmt zumindest an das ein oder andere Zitat erinnern. Ich freue mich über Anmerkungen auf Twitter genauso wie über Anmerkungen hier.

Angesichts der Tatsache, dass die Vorlesungen in der letzten Woche endeten, gibt es hier im Blog die nächsten Wochen oder Monate voraussichtlich keine #VKritik, was der Tatsache geschuldet ist, dass einfach keine zu kritisierende Veranstaltung stattfindet. Ich hoffe, dass das einen Grund mehr darstellt, auch einmal bei Twitter vorbeizuschauen. Viel Spaß!

#VKritik – Kulturgeschichte Japans – Repräsentationen atomarer Katastrophen

Es ist nun, zugegeben, schon etwas her, dass die letzte Sitzung der Kulturgeschichte-Vorlesung abgehalten wurde, aber ich möchte den Inhalt dennoch niemandem vorenthalten. Sie wurde von Prof. Dr. G. und Dr. J. gehalten und ähnelte stark der Sitzung „Die ersten beiden großen literarischen Strömungen“. Ob die Nutzung eines Themas, das gerade einmal fünf Jahre alt ist, nämlich des Hukusima-Komplexes, Kulturgeschichte ist, kann natürlich bezweifelt werden. Im ersten Teil der Sitzung widmete man sich aber Hirosima und Nagasaki und kurz vor dem Ende sprach G. noch einmal die Anmerkungen der Evaluation an.

Wie immer gibt es erst einmal grundsätzliche Kritik zur Sitzung. Ich möchte ganz ehrlich sein: Nach den teils recht harten, aber durchaus zutreffenden Evaluationsanmerkungen hat sich doch etwas zum Positiven gewandt. Plötzlich war zu jedem Bild eine Quelle angegeben und auch für andere Dinge fanden sich zum Teil welche. Die Plagiatsvorwürfe in der Evaluation wies G. zwar „entschieden zurück“, aber hatte anscheinend doch ein schlechtes Gewissen, auch wenn sie ihr Plagiat nicht zugeben wollte. Es wurden auch heute wieder Makra verwandt und zum Teil fand man die Kanzi japanischer Worte nun sogar in Klammern hinter der Transkription. Dennoch lag gestaltungstechnisch noch immer einiges im Argen, was sich schnell hätte beheben lassen: es wurde eine ganze Reihe im Deutschen nicht genutzter Anführungszeichen verwandt, man fand oft Viertel- statt der meist richtigen Halbgeviertstriche, am Anfang der Stichpunkte wurde noch immer groß geschrieben. Wie immer wurden, fast ausschließlich von G., auch wieder eine ganze Reihe überflüssiger Anglizismen gebraucht, von denen „gebasht“ und „sie wird getriggert“ nur die übelsten darstellen.

Wer sich schon einmal mit dieser Vorlesung beschäftigte, weiß, was ihn in dieser Sitzung erwartete, ging es doch um Literatur und waren doch J. und G. die leitenden Dozenten: Autorenbiographien und Inhaltsangaben der Werke.

Immerhin die ersten zehn Minuten bestanden noch in sinnvollen Dingen. Es wurde von J. eine gute Einleitung zur Atombomben-Literatur (原爆文学) gegeben, worauf leider eine Definition folgte, die einem kaum etwas brachte und wie folgt lautete: „Es handelt sich um einen weitgefassten Sammelbegriff, der genreübergreifend die Werke von Zeitzeugen sowie nicht unmittelbar von den Atombombenabwürfen betroffenen Literaturschaffenden mit einschließt.“

Es folgte die vielleicht etwas missglückte Überschrift „Schwierigkeiten für die genbaku bungaku“ (ohne Kanzi), unter der aber grundlegende Dinge zu finden waren: Zensur durch die Besatzer, schwierige materielle und teils körperliche Bedingungen der Literaten, Widerstand der Hochliteraten und das „Problem einer angemessenen [‚]ästhetischen[‘] Umsetzung angesichts einer der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte im vergangenen Jahrhundert“.

Nach diesen zehn Minuten, die für diese einleitenden Worte gebraucht wurden, kam J. inhaltlich in den alten Trott, der bereits bekannt war und erwartet wurde. Unter der Überschrift „Werke der Atombombenliteratur“ (mit Kanzi dahinter, obgleich man kein japanisches Wort fand) wurden fünf Autoren mitsamt je einem Werk genannt und es wäre nicht die unnütze Vorlesung „Kulturgeschichte Japans“, wenn man sich nicht zu jedem der Autoren minutenlang Dinge anhören müsste, die er erlebt hat, und Inhaltsangaben eines jeden aufgeführten Werkes über sich ergehen lassen müsste. Was soll der Blödsinn? Unter anderem fand sich Kurihara Sadako (栗原貞子), von deren Gedicht „Hirosima to iu toki“ (ヒロシマというとき) auch zwei Strophen verlesen wurden.

Auch den Rest der ersten Hälfte der Sitzung wusste J. leider nicht besser zu nutzen, als mehr Biographien und Inhaltsangaben, nun zu thematisch passenden Manga, wiederzugeben. Sowohl aus „Hadasi no gen“ (はだしのゲン), als auch aus „Yuunagi no mati sakura no kuni“ (夕凪の街 桜の国) wurden auch Bilder gezeigt, die, nebeneinander gestellt ähnliche gleichen Szenen zeigend, die Unterschiedlichkeit darstellen sollten, was gelang und gefiel.

Auch der Abschluss J.s am Ende der ersten Hälfte war sehr gut. Es fand sich die „Bedeutung der Atombombenliteratur“, worunter sie drei Punkte fasste: „Verarbeitung des Geschehens und aufklärerische Funktion“, „[w]ichtiger Beitrag zur Entstehung einer engagierten Literatur im Japan der Nachkriegszeit“, sowie „[g]edächtnisbewahrende Funktion“. Danach wurde noch kurz vertiefende Literatur empfohlen, verwandte Literatur fand sich auch in dieser Sitzung nicht.

Nach ihrem Teil sah sich J. gezwungen, den Hörsaal zu verlassen, und G. machte mit ihrem Teil weiter: „Auseinandersetzung mit der Fukushima-Atomkatastrophe vom 11. März 2011 (3.11) in verschiedenen kulturellen Genres“ [sic!]. Wie oben schon angemerkt, ist ein fünf Jahre zurückliegendes Ereignis wohl kaum geschichtlich zu nennen, aber da G. meint, hiervon etwas zu wissen, musste es wohl untergebracht werden.

Auch G. begann mit einem allgemeinen Teil, den sie „Thematisierung“ nannte. Die ersten beiden von drei Punkten gaben tatsächlich gar nichts her. Sie lauteten: „In den verschiedenen Genres in unterschiedlich starkem Maße vertreten.“ und „Art der Auseinandersetzung unterscheidet sich in den verschiedenen Genres.“ (jeweils tatsächlich mit Punkten). Dass etwas in einem Horror-Film anders als in einer Komödie dargestellt wird, ist ungefähr so sinnvoll zu betonen wie der Einfluss J.R.R. Tolkiens auf seine eigenen Werke, denn beides sollte jedem durchaus bekannt sein. Tatsächlich aber meinte G. mit dem Begriff „Genre“ überhaupt nicht das damit eigentlich Bezeichnete, sondern bezog sich auf verschiedene Medien, was sich nach dieser Einleitung aufgrund der folgenden Worte herausstellte: „Kommen wir zum ersten Genre, dem Manga.“ Darauf folgten dann auch noch das „Genre terebi dorama“ und das „Genre Kinofilm“; beides Medien.

Ich fasse die drei Teile einmal zusammen, denn die Darstellung dieser unterschied sich nicht voneinander. Sie stellte zwei Manga, ein Fernsehdrama und einen Kinofilm vor und musste natürlich den gesamten Inhalt wiedergeben. Ferner sprach sie auf ihren Folien auch von „zahlreichen Dokumentarfilmen“, davon hörte man aber gar nichts.

Die nächsten Folien zur (Na, ratet mal! Genau!) Literatur waren von der Gestaltung her ein einziges Durcheinander. Wie man das auf die Reihe bekommen hat, halte ich für eine berechtigte Frage. Schaut sich das denn keiner mehr an, bevor G. damit in die Vorlesung kommt? Inhaltlich ging es erst einmal um die Gedichte des Herrn Wagou Ryouiti (和合亮一), deren Quelle, auch für die japanischen Texte, angeblich „Übersetzung: Kristina Iwata-Weickgenannt“darstellte. Es schloss sich dann noch „Prosaliteratur – Werke von drei Autorinnen“ an, deren Geschlecht besonders hervorgehoben werden musste, da es sich um Frauen handelt. Auch hier wurde die Zeit wieder mithilfe von Inhaltsangaben, aber immerhin auch einiger Textauszüge totgeschlagen.

Das abschließende Fazit war halbwegs gelungen, aber G. schaffte es damit auch, die Legitimation des Themas in einer Kulturgeschichte-Vorlesung selbst anzuzweifeln, schrieb sie doch: „Eine abschließende Einschätzung der kulturellen Repräsentationen von „Fukushima“ ist im Jahr 2016 noch nicht möglich.“ Kann es dann schon Kulturgeschichte darstellen? Daran schloss sich aber noch ein weiterer Lacher an, denn „[e]s besteht weiterhin Forschungsbedarf!“ Ausrufezeichen!

Zum Schluss ging G. noch ein paar Minuten auf die offizielle Evaluation ein, denn sie meinte, dass man das machen müsse. Alles, was sie sagte, ließ sich als „Wir machen das so und haben Recht damit!“ lesen und ihre Verteidigung in Angriffshaltung begann schon damit, dass sie sagte, das die Vorlesung verschiedene Zielgruppen habe und nicht für sich allein stehe. Wem die Themen nicht gefallen, der solle doch die Universität wechseln, denn die Vorlesung solle „die ganze japanologische Forschung“ der Universität Trier repräsentieren. Mit Verlaub, Frau G., das bedeutet, dass alles, was ich hier lerne, auch in anderen Veranstaltungen behandelt wird, richtig? Dann nennen Sie mir bitte einen Grund, wieso man weiter an dieser damit überflüssig gewordenen Veranstaltung festhält.

Ferner arbeite man mit „repräsentativen Beispielen, da man sich nicht dreihundert Namen merken kann“. Da spricht ja auch überhaupt nichts gegen, anderweitig ließe sich die Vorlesung auch nicht bewältigen. Aber ich fürchte, dass das auch niemand als Kritikpunkt sah. Zu bemängeln sind die Inhaltsangaben und Biographien, die die Hälfte der gesamten Vorlesung ausmachten, aber komplett irrelevant sind.

Wie schon geschrieben, wies G. ein Plagiat „entschieden zurück“. Es fehlten Quellen, aber sie hätte stets Literatur mit den Folien hochgeladen. Für Bilder galt das nicht, Frau G., und Sie waren auch nicht die einzige Dozentin, richtig? Außerdem ist die Ausrede, dass sie bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten immer alle Quellen nennen würden, äußerst schlecht, denn hier geht es um die Vorlesung. Wenn eine Sportmannschaft verliert, da ein Torwart sich schlafen gelegt hat, wäre es für ihn auch keine Entschuldigung, wenn er sagen würde, dass er das sonst nie mache. Die Aussage, dass das alles „natürlich nicht [heiße], dass man in Hausarbeiten schludrig sein dürfe“, ist somit wirklich nur frech.

Dass die Kritik an der Menge der Dozenten und den Fomatierungsfehlern sie nur zum Schmunzeln brachte, freut mich zwar, da G. anscheinend beim Lesen der Evaluation eine schöne Zeit hatte, andererseits macht mich das sehr traurig, denn es spricht nicht für das Einsehen ihrer Fehler.

Da G. die harte Evaluation auch noch kritisierte, da man ja an den jungen V. denken müsse, auf den Kritik ja zurückfiele und ihm unter Umständen schaden würde, ist auch ziemlich dreist. Wenn etwas schlecht ist, dann nenne ich es auch schlecht. Wenn Plagiat vorliegt, nenne ich es Plagiat, und die Verantwortlichen sind nun einmal die leitenden Dozenten. Sie haben dies zu verantworten und ich bin nicht bereit, irgendeine Schuld auf mich zu nehmen und hoffe, dass das auch für alle anderen kritischen Stimmen gilt. Ihr gebt nur wieder, was ihr saht. Wenn die Dozenten Mist bauen, dann ist das allein deren Schuld.

Diese letzten fünf Minuten waren maßlos enttäuschend. Man fragt sich, ob das Projekt #VKritik noch irgendeinen Sinn hat. Die verflucht schlechte Veranstaltung wurde in der Evaluation im Großen und Ganzen relativ gut bewertet und sämtliche Kritik wird ignoriert oder abgetan. Die Studenten sind nicht bereit, Fehler zu sehen, die Dozenten noch viel weniger. #VKritik läuft nun ein Jahr lang und ich hatte viel damit zu tun. Man hat die Sitzungen vorzubereiten, ich schreibe dazu, ich twittere dazu und Michael und ich nehmen sogar einen Podcast dazu auf, der von ihm bearbeitet wird. #VKritik ist nichts, was man einfach nebenher schafft. Es frisst Zeit und Kraft, doch ich dachte immer, dass es ja einen Sinn hätte. Ich zweifle immer mehr daran, v.a. da ich nun von den Prüfungsaufgaben der Klausur zu dieser Vorlesung erfuhr. Wir machten uns schon vorher darüber lustig, was G. und J. bloß für Fragen stellen könnten. Viel mehr als „Nennen Sie den Autoren von [Werk] und geben Sie den Inhalt wieder“ fiel uns nicht ein. Und den Dozenten anscheinend auch nicht, denn in einer Aufgabe sollte man wohl zwei japanische Träger des Nobelpreises für Literatur nennen und das Schaffen eines davon charakterisieren und die andere Aufgabe war sogar noch absurder und lautete in etwa, dass man den Regisseur des Films „Rasyoumon“ nennen und den Inhalt wiedergeben solle. Was soll das denn? Und das ist auch die Frage, die ich mir in Bezug auf #VKritik stelle. Was soll die ganze Arbeit für anscheinend nichts?

Selbstreflexion

Es ist Mittwoch und alle erwarten einen neuen #VKritik-Eintrag hier im Blog. Aber ich muss enttäuschen und sicher auch viele überraschen, und will mich einem Thema widmen, das für mich deutlich wichtiger ist, für alle anderen aber wohl, zugegeben, nicht so sehr: mich.

In letzter Zeit komme ich nach der Uni oder nach der Arbeit ziemlich müde und erschöpft nach Hause. Insbesondere die Uni besteht für mich fast nur noch darin, dass ich mich aufrege, und in meinen Augen ist diese Aufregung auch begründet. Von den Veranstaltungen der Japanologie braucht man, verfolgt man das #VKritik-Projekt, gar nicht mehr reden, und auch von DaF will ich lieber schweigen. Es sind schon kleine Dinge, die mich ärgern und in die ich mich hineinsteigere. Ich ärgere mich dann nicht nur über diese Dinge, sondern auch über die Leute, die etwas damit zu tun haben, die Leute, die diese Dinge nicht bemerken oder ignorieren.

Und das ist nicht nur auf die Uni beschränkt. Ich bin immer hungrig auf Neuigkeiten, vor allem aus der Politik. Ich lechze nach Nachrichten und schaue jede Stunde oder häufiger in einen meiner Nachrichtenkanäle. Und dann rege ich mich wieder auf und werde sauer. Vielleicht ist es mittlerweile soweit, dass ich etwas lese, damit ich sauer werde? Ich denke nicht, aber möglicherweise kann ich das auch nur gar nicht mehr einschätzen.

Die Nachrichten sind aber ein äußerst wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich beginne den Morgen unter anderem mit Fefes Blog, Twitter und dem Standard und schließe den Tag auch damit ab. Ich weiß nicht, wie oft ich am Tag auch nur diese Seiten, lasse ich mal alles andere, sei es die BPK, der Aufwachen-Podcast oder anderes, hier raus, besuche. Wie einem Alkoholsüchtigen ist mir lange nicht wirklich aufgefallen, wie sehr ich daran hänge. Und wie einen Alkoholsüchtigen macht mich das alles kaputt.

Die Welt besteht für mich fast nur noch aus Aufregung. Aufregung über das verkrüppelte Deutsch, welches so viele Menschen nur noch von sich geben. Aufregung über die ständige und fortschreitende Einschränkung sämtlicher Freiheiten, die man in Deutschland und Europa hat. Aufregung über einseitige Berichterstattung. Aufregung über Manipulation gleich welcher Art. Aufregung über Leute, die nichts hinterfragen, auch nicht das, was sie tun.

Fefes Blog ist wichtig und es ist großartig, dass es ihn gibt, aber ich stelle fest, dass all das, was auf der Welt passiert und was man dort findet, einen Menschen zerstört, der dies alles liest, erfährt und durchdenkt. So vieles läuft falsch und obwohl doch alle Menschen dies bemängeln und sich dagegen wehren müssten, tut es kaum einer.

Das fängt schon in sehr kleinem Rahmen an. Ich begann das Projekt #VKritik auch, da niemand gegen den Unsinn aufbegehrte, der in der Japanologie der Universität Trier geschieht. Ich blieb fast der einzige, der etwas sagte und scharfe Kritik äußerte und das nicht nur im Rahmen des Projektes. Aber im Großen und Ganzen verhallte all das ungehört und ich stieß auf wenig Gegenliebe.

Ich habe mir immer gesagt, dass ich es trotzdem tun will. Wenn ich nichts sage, sagt keiner etwas. Und wenn keiner etwas sagt, dann ändert sich auch nichts. Ich habe ein paar Leute beeinflusst, sich zu äußern. Ich habe tatsächlich ein paar Menschen dazu gebracht, nicht alles unreflektiert aufzunehmen und am Ende wiederzugeben.

Aber die Aufgabe ist selbst in diesem kleinen Rahmen zu groß und wenn ich an die Uni komme und man mir sagt, dass man sich auf die uralten Zahlen aus der Vorlesung für ein eigenes Referat stütze oder dass es einen nicht interessiere, ob Quellen angegeben sind, fühlt es sich an, als täte ich das alles umsonst. All die Arbeit und die investierte Zeit scheint vergeudet. Und dann hört man abends in einem Kurs zu Medien die Aussage einer Kommilitonin, dass sie sich nur die „Tagesschau in 100 Sekunden“ anschaue und sich dann informiert fühle.

„Das System“ ist ein Begriff, den ich nicht sonderlich mag. „Das System“ ist das, was Kritiker angreifen, wenn sie einen kompletten Umsturz herbeisehnen. Aber das System ist alles, die Berichterstattung und das Verhalten der Konsumenten, die Uni und die Kurse dort und das Verhalten der Studenten, die deutsche Sprache und ihre Veränderung. Und dieses System hat mich anscheinend irgendwie besiegt.

Ich schaffe es nicht mehr, mich immer zur Wehr zu setzen, wenn mir etwas nicht passt. Ich habe nicht mehr die Kraft, mich offen zu beschweren. Ich habe nicht mehr die Energie, Fehler zu korrigieren. Das heißt nicht, dass ich mich beugen werde, dass ich nun Denglisch sprechen werde, dass ich hinnehme, was man mir sagt, auch wenn es offensichtlich falsch ist. Aber ich kann mich nicht mehr ständig äußern, weil es mich kaputt macht.

Ich muss, zumindest vorläufig, einen anderen Weg gehen. Ich habe versucht, zu verhindern, oft nur in meinem sehr kleinen Rahmen und Umfeld, dass die deutsche Sprache immer mehr leidet, dass Menschen ihren Verstand nicht nutzen, und dass sie den vorgegeben Meinungen glauben. Aber da es für mich nicht gut zu sein scheint, das weiterhin zu tun, werde ich damit aufhören müssen. Ich werde mich weiterhin gegen all dies wehren, aber nur für mich. Andere müssen sich um sich selbst kümmern, ich schaffe das nicht mehr. Wer nicht denken will, hat dann eben Pech gehabt. Und auf den, der nicht richtig sprechen will, wird für immer von mir herabgeschaut werden. Lernt denken, lernt sprechen! Ich kann es keinem mehr beibringen.

Das zieht natürlich einige Konsequenzen nach sich, die ich selbst sehr bedaure. Ich werde mein Leben für die nächste Zeit umstellen, vielleicht für immer, aber erst einmal nur für einige Wochen. Die BPK und der Aufwachen-Podcast werden erst einmal ignoriert, die weitere Nachrichtenaufnahme deutlich eingeschränkt. Vielleicht werde ich dadurch auch wieder etwas umgänglicher. Auch der Blog wird erst einmal ruhen, denke ich. Vielleicht liefere ich hier noch den eigentlich ausstehenden #VKritik-Eintrag nach, vielleicht auch nicht. Denn dass ich diesen Beitrag anstatt der #VKritik schreibe, hat seine Gründe. Ob ich noch allzu viel twittern werde, weiß ich noch nicht und es tut mir Leid, dass ich trotz der Ankündigung so wohl die gesammelten Zitate aus der „Kulturgeschichte Japans“-Vorlesung zumindest noch nicht veröffentlichen kann.

Ich bin selbst nicht sicher, und wie könnte ich auch, ob mir diese Veränderungen helfen werden. Ich hoffe es und vielleicht wird die Zeit kommen, in der ich mich auch wieder äußern kann und werde. Aber ich habe auch noch eine ganze Menge anderer Dinge zu tun. Meine Bachelor-Arbeit ist seit einiger Zeit in Vorbereitung und wird bald zu schreiben begonnen und es gibt noch einiges mehr. Ich ziehe mich also erst einmal in die Defensive zurück und mache eine Pause. Vielleicht schaffen es ja einige auch ohne Hilfe, zu denken. Ich schaffe es. Und hoffe es sehr für andere.

#VKritik – Kulturgeschichte Japans – Offizielle Evaluationsergebnisse

Wie ich bei Twitter und auch hier im Blog schrieb, durfte die Vorlesung „Kulturgeschichte Japans“ auch offiziell evaluiert werden und selbstverständlich habe ich meine Erkenntnisse auf diesem Weg an die Dozenten (und vielleicht andere) weitergegeben. Bis gestern durfte evaluiert werden, heute kamen die Ergebnisse per E-Mail: Ich darf sie aber leider nicht direkt veröffentlichen, möchte aber natürlich dem geneigten Leser dennoch zeigen, wie die Veranstaltung insgesamt bewertet wurde.

Zu den Daten der Teilnehmer ist nicht viel Interessantes zu berichten, außer dass ein Großteil der Teilnehmer Studenten im zweiten oder sechsten Semester waren. Das ist nicht wirklich überraschend, da Japanologie-Bachelor-Hauptfachstudenten die Vorlesung für gewöhnlich im zweiten Semester wählen und die Zahl der Bewertenden mit 20 Personen von 93 Angemeldeten relativ gering war. So entstehen schnell statistische Abweichungen. Fünft- und Sechstsemester-Studenten machten auch gemeinsam nur ein Viertel der Evaluationsteilnehmer aus.

Als Gründe für die Wahl der Veranstaltung gaben bei mehreren möglichen Antworten 65% der Teilnehmer an, dass es eine Pflichtveranstaltung sei, nur für die Hälfte der Teilnehmer war das Thema interessant. Alle anderen angegebenen Gründe sind prozentual vernachlässigbar.

Unter „Wissens- und Kompetenzerwerb“ wurden vier Aussagen zur Bewertung gestellt, deren Ergebnisse waren, dass den Teilnehmern die „Lernziele der Veranstaltung […] klar“ sind, und die Mehrheit im mindestens geringen Maße der Meinung war, etwas gelernt zu haben. Bei dieser Aussage stimmten 10% der Teilnehmer gar nicht zu, 5% nahezu gar nicht. Ähnlich verhielt es sich mit der Aussage, dass die Veranstaltung zur eigenen „fachlichen Entwicklung“ beitrage, der aber sogar 20% nahezu gar nicht oder überhaupt nicht zustimmten. Dass sie in der Veranstaltung „wichtige überfachliche Kompetenzen entwickelt“ hätten, glauben dagegen nur 15% der teilnehmenden Studenten. Zumindest in dieser Hinsicht ist fast allen klar geworden, wie sinnlos die Vorlesung leider derzeit ist, ganze 45% der Bewertenden glauben sogar überhaupt nicht, solche Kompetenzen entwickelt zu haben.

Mit wenigen Ausreißern sind die Teilnehmer auch der Meinung, dass die Dozenten „den Lernstoff sinnvoll [strukturieren]“, „komplexe Sachverhalte verständlich [erklären]“, „geeignete Methoden zur Vermittlung des Lernstoffes an[wenden]“ und „didaktische Mittel […] sinnvoll ein[setzen]“, wenn auch bei unterschiedlich starker Zustimmung.

Ziemlich gemischte Daten gibt es in dem Block „Lernklima: Beitrag des Dozenten/der Dozentin“. Nur etwa die Hälfte der Evaluationsteilnehmer ist der Meinung, dass die Dozenten „Interesse am Lernerfolg der Studierenden [zeigen]“, die andere Hälfte ist eher gegenteiliger Meinung, was schon ziemlich bedenklich ist. Bessere Bewertungen erhalten R., V., G. und J. bei den Aussagen, dass sie „hilfreiches Feedback zu Beiträgen der Studierenden“ gäben und auf Studenten eingingen. Allerdings sehen ein Viertel der Teilnehmer das „Feedback“ als überhaupt nicht sinnvoll (ich möchte auf das Zitat „Seien Sie doch nicht so pingelig“ verweisen) und 15% meinen, dass die Dozenten gar nicht auf die Studenten eingingen. Eine Mehrheit glaubt auch, dass die Dozenten „zur kritischen Auseinandersetzung mit den behandelten Themen an[regen]“ würden. Vollends geteilter Meinung waren die Teilnehmer aber bei der Aussage, dass die Dozenten „eine anregende Arbeitsatmosphäre“ schüfen, was auch immer man sich darunter vorstellen soll.

Dass „die Studierenden […] zu einer anregenden Arbeitsatmosphäre bei[trügen]“, war die Meinung der meisten und irgendwie bereiteten nach eigener Aussage auch alle bis auf einen zumindest einmal die Vorlesung vor und nach.

Der Schwierigkeitsgrad der Veranstaltung wurde von den meisten weder als „sehr niedrig“, noch als „sehr hoch“ angesehen, aber ich frage mich auch, wie sie es als die perfekte Mitte dazwischen ansehen können. Sich Biographien und Inhaltsangaben anzuhören, ist sicher alles andere als schwierig. Anstrengend ist es nur, dabei auch nur irgendwie aufpassen zu können. Die Stoffmenge wurde ebenfalls als angemessen betrachtet, auch gemessen an zu erhaltenden Leistungspunkten. Der Meinung, dass die „Anforderungen für [die] Leistungsnachweise […] klar kommuniziert“ wurden, waren die meisten. Ich muss gestehen, dass ich mich kaum noch erinnere, außer dass man mir erzählte, dass ich mich konzentrieren können solle und ausdauernd sein müsse.

Zu den Rahmenbedingungen ist zu sagen, dass die Teilnehmerzahl überwiegend nicht als „sehr hoch“ oder „sehr niedrig“ eingeschätzt wird, und dass die meisten auch der Meinung sind, dass „[f]ür diese Veranstaltung […] die räumlichen Gegebenheiten“ eher gut als schlecht seien. Ich bin mir sicher, dass es, so auch von mir, hier Abzüge für die allzu unbeliebte Stange an der Rückseite der Bänke gab. Für Personen mit langen Beinen ist diese so ungünstig angebracht, dass die geringe Beinfreiheit nur noch mehr eingeschränkt wird und sie sich gerne in Knie und Beine drückt. Es ist mir auch nach den vielen Semestern, die ich in den Hörsälen der Universität Trier verbrachte, nicht klar, wieso man sie dort angebracht hat, bringt sie doch anscheinend keinen Nutzen. Das ist nicht den Dozenten anzulasten, aber die Universität könnte sich endlich darum kümmern, sie abzuschrauben.

Die einzige Frage, die nur von 19 Personen beantwortet wurde, war, ob „[d]ie Veranstaltung [… das] Interesse an den behandelten Themen gesteigert“ habe. Während 15,8% gar nicht oder nahezu gar nicht zustimmten, waren alle anderen mehr oder weniger aber durchaus der Meinung, dass die Veranstaltung Interesse geweckt habe. Wieso dies der Fall ist, interessiert mich durchaus. Ich hoffe, mir kann einer, der so kommentiert hat, seine Beweggründe nennen.

Zuletzt wurde dann die Frage gestellt, welche Schulnote man der Veranstaltung ausstellen würde. Das ist selbstredend irgendwie etwas merkwürdig, sollte man doch eigentlich den Dozenten die Noten geben, aber das sei einmal dahingestellt. 10% der Teilnehmer würden eine 1 geben, 65% eine 2, weitere 10% eine 3. Eine 4 erhielt die Veranstaltung von niemandem, von 10% aber eine 5 und ein Evaluationsteilnehmer vergab eine 6.

Ich lobe hier einerseits den Versuch der Transparenz der Universität Trier, dass sie den Teilnehmern die Evaluationsergebnisse offenbart, aber ich frage mich, wieso sie nicht alle Ergebnisse darlegt. Das Wichtigste, und das sind die Anmerkungen, die man machen konnte, und Ratschläge, die man erteilen konnte, wurden nicht veröffentlicht und das ist doch äußerst unschön, denn mit Zahlen und Angaben wie „stimme voll zu“ kann man weniger anfangen, als mit Aussagen wie „fehlende Quellen stellen mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Plagiat dar“. Läsen mehr die, zumindest von mir, angegeben Bemerkungen zu der Veranstaltung, die ich natürlich auch an den dafür vorgesehen Platz in der offiziellen Evaluation schrieb, fiele garantiert auch mehr Leuten auf, was hier überhaupt stattfindet. Insofern ist das keine kleine Kritik am Rande, sondern leider sehr bedauerlich.

#VKritik – Kulturgeschichte Japans – Literatur seit der Nachkriegszeit

Nachdem Prof. Dr. G. in der letzten Woche ihre Sternstunde, so gleißend wie ein Roter Zwerg, hatte, schien sie heute eine Pause einlegen zu wollen. Sie machte so ziemlich alles falsch, was sie falsch machen konnte, und wer nach dieser Sitzung behaupten möchte, dass G. uns die Kulturgeschichte Japans erläutere, kann nicht anwesend gewesen sein.

Es war nicht nur so, dass die ganze Sitzung einen Haufen Plagiat darstellte, denn es war nicht eine einzige Quelle, gleich ob zu Texten oder Bildern, angegeben, es ging nicht einmal im Entferntesten um Kulturgeschichte. Stattdessen referierte G. über die Lebensdaten und Biographien sechs bedeutender japanischer Autoren nach 1945 und eines Autors, von dessen Werken G. nur welche vorstellte, die vor dem Zweiten Weltkrieg bzw. dem Pazifikkrieg entstanden. Ganze drei Minuten nutzte sie für einen Überblick über diese Zeit in Bezug auf die Literatur.

Frau G., es ist wirklich komplett überflüssig, in diese Vorlesung zu gehen. Man nimmt mehr Informationen mit, wenn man sich die Wikipedia-Artikel zu diesen Autoren und deren Werken durchliest und noch weitere fünf Minuten im Internet recherchiert, denn während Sie auch noch Dinge verschweigen, die Ihnen anscheinend nicht passen, aber in der Autoren Werke vorkommen, sind diese dort für gewöhnlich zu finden. Ihnen werfe ich vor, wie bereits in der „Japanische Landeskunde“-Vorlesung vorsätzlich zu manipulieren; vielleicht zu Unrecht, aber die Häufung der fehlenden und Fehlinformationen trägt eindeutig zu diesem Eindruck bei. Ich werde übrigens in diesem Eintrag zusammentragen, was Sie heute verschwiegen.

Ich kritisierte bereits neulich via Twitter eine E-Mail, in der noch einmal zur Evaluation aufgerufen wurde. Dagegen spricht gar nichts und es ist erfreulich, dass die Dozenten eine Evaluation wünschen. Was aber alles andere als erfreulich war, war die Aufforderung, den Evaluationsfragebogen in der Vorlesung auszufüllen. Die Zeit dieser wird ohnehin schon mehr als genug vergeudet, als dass man auch nur fünf Minuten davon streichen könnte. Heute wurde die Sitzung aber sogar eine Viertelstunde früher beendet, und jeder durfte tun und lassen, was er tun und lassen wollte. Überlegen Sie einmal, Frau G., wie sinnvoll es ist, die Leute, die anscheinend ohnehin keine Lust auf die Evaluation haben, eine Viertelstunde früher gehen zu lassen, um den Unterricht zu evaluieren. Wer das nicht tun will, wird das auch in dieser Viertelstunde nicht tun.

Im Übrigen bin ich auch von vielen Studenten enttäuscht, sollte wahr sein, was G. mir erzählte, nämlich, dass nur sehr wenige diese Veranstaltung tatsächlich evaluierten. Wenn nichts kritisiert und angesprochen wird, wird auch nichts verbessert werden, und das bedeutet, dass alles bleibt wie es ist: ohne Quellen, inhaltsleer und dem Veranstaltungstitel nicht entsprechend, ganz abgesehen von allem anderen. Kann das irgendjemand wollen, der auch nur irgendetwas lernen möchte?

Ich habe auch schon wieder alles zu kritisieren, was ich hier so oft ansprach. Es fanden sich auch heute nirgendwo Kanzi, die richtige Verwendung des Viertel- und des Halbgeviertstrichs ist noch nicht zu G. durchgedrungen, genau wie die Tatsache, dass zu Beginn eines Stichpunktes klein zu schreiben ist. Auch darf nach wie vor die Werbung für ein Auslandsjahr nicht fehlen, diesmal ein wenig versteckt eingebettet mitten in die Sitzung gepackt. Anglizismen werden nicht besser, wenn man sie verstärkt und besonders oft verwendet und auch wenn „Bestseller“ mittlerweile weit verbreitet ist, ist „Super-Bestseller“ eher lächerlich und „Super-Super-Bestseller“ nur noch dämlich. Da fragt man sich, wie man einen Superlativ steigern kann und das sogar mehrfach. Neben diversen weiteren fand sich auch der Ausdruck „ein Give and Take“. G. ist es offenbar peinlich, die deutsche Sprache zu nutzen, die die gleiche Redewendung auch kennt: „ein Geben und Nehmen“. Wo ist das Problem, Frau G.?

Die Sitzung begann heute fünf Minuten später, da G. sich verspätete. Das kann passieren und ich möchte sie dafür nicht verurteilen. Es war nur leider sehr ungünstig, da sie es ja für nötig hielt, auch eine Viertelstunde verfrüht die Sitzung zu beenden, sodass diese letztlich nur noch siebzig Minuten dauerte.

Sie begann dann mit den bereits angesprochenen drei mäßig relevanten Minuten, mit den „Entwicklungen seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Gegenwart“. Unter dieser Überschrift hatte sie fünf Stichpunkte zusammengetragen, die sie aufgrund ihrer Unbestimmtheit auch nur bedingt ausführen konnte. „Kriegsende 1945 als Neustart, aber auch Kontinuität“ sagt überhaupt nichts und „Vielfalt an Stoffen, Themen und Stilrichtungen“ ist auch keinen Stichpunkt wert. „Boom von Autorinnen, insbesondere seit den 1960er Jahren“, „Spiegelung der Desillusionierung und Zusammenbruch der Bubble-Wirtschaft in der Literatur“ und „zunehmende Aufhebung der Grenze von sog. ‚gehobener Literatur‘ und ‚Unterhaltungsliteratur‘“ ist trotz der überflüssigen Anglizismen immerhin ein wenig aussagekräftiger, aber leider waren diese Stichpunkte das Einzige, was es heute kulturgeschichtlich zu erfahren galt.

Alles andere war leider so entsetzlich unnütz, dass ich es hier nur kurz zusammenfassen möchte. G. stellte 65 Minuten lang die Biographien einiger japanischer Autoren dar und gab von je mindestens zwei Werken dieser Autoren den Inhalt wieder, wenn möglich auch gleich noch den Inhalt einer oder mehrerer Verfilmungen obendrein. Unnütz, irrelevant und einfach verschenkte Zeit. Das ist keine Kulturgeschichte, das gehört hier nicht hin.

Der erste Behandelte war Kawabata Yasunari, für den sie sich anscheinend nur wegen seines Nobelpreisgewinns entschied, denn die Werke, die sie vorstellte, „Izu no Odoriko“ (伊豆の踊子) und „Yukiguni“ (雪国) wurden vor dem Zweiten Weltkrieg verfasst und hatten unter dem Titel „Literatur seit der Nachkriegszeit“ nichts zu suchen. In der Inhaltsangabe zu dem ersten genannten Werk fehlte die Anmerkung, dass das Mädchen, das Tanzmädchen des Titels, das von dem Erzähler so vergöttert wird und in die er sich verguckt zu haben scheint, minderjährig ist, er sie aber doch sehr begehrt.

Auch zu Misima Yukio fehlte eine Angabe, die zumindest ich für durchaus relevant halte. Sie erzählte zwar, dass er sich zu einem „romantischem Traditionalismus“ hinwandte, aber das sagt natürlich nichts aus. Tatsache ist wohl, dass er nicht nur ein starker Nationalist war, sondern auch durchaus völkische Ansichten hatte. Das passt nur leider nicht in G.s perfektes Bild des Landes Japan, daher blieb dies wohl außen vor. Von Misima stellte G. „Kamen no Kokuhaku“ (仮面の告白) und „Kinkakuzi“ (金閣寺) vor.

Auch bei Ooe Kenzaburou fehlte wieder etwas, und wie auch bei Kawabata und Misima war dies eine Information, die in den Augen G.s wohl moralisch verwerflich war. Sie stellte zwar „Siiku“ (飼育) vor, aber dass in diesem Werk eine Figur versucht, Sex mit einer Ziege zu haben, blieb ungenannt. Für Ooe brauchte G. dann besonders viel Zeit, da sie neben „Siiku“ auch noch „Hirosima nouto“ (ヒロシマ・ノート), „Kozinteki na taiken“ (個人的な体験) und „Sizuka na seikatu“ (静かな生活) vorstellen wollte.

Von Enti Humiko kenne ich zu wenig, als dass ich beurteilen könnte, ob auch bei der Erläuterung ihrer Biographie oder ihrer Werke, die vorgestellten wurden, „Onnazaka“ (女坂) und „Onnamen“ (女面), etwas fehlte. Auf meine Nachfrage, um was es sich bei dem Kulturorden handle, den sie verliehen bekam, konnte G. auch relativ sicher antworten. Interessant ist, dass sie nicht erwähnte, dass auch Ooe diesen bekommen sollte, ihn aber ablehnte.

Ariyosi Sawako stellte die fünfte behandelte Autorin dar, und wer langsam die Schnauze voll von den unnützen Inhalten hatte, musste noch ein wenig leiden, denn auf sie und ihre Werke „Ki no Kawa“(紀ノ川) , „Hanaoka Seisyuu no Tuma“ (華岡青洲の妻), „Koukotu no Hito“ (恍惚の人) und „Hukugou Osen“ (複合汚染), sollten noch zwei Autoren mit ihren Werken folgen. Auch zu „Koukotu no Hito“ fehlte wieder etwas, was in diesem Werk durchaus von Relevanz ist, nämlich dass der alte Mann sich in die ihn pflegende Protagonistin zu verlieben scheint, obwohl sie mit seinem Sohn verheiratet ist. Ist auch dies wieder moralisch anzuzweifeln? Vielleicht.

Es sollte nun noch um Murakami Haruki gehen, den G. beim Vornamen nannte, und von dem „Noruwei no Mori“ (ノルウェイの森), „Umibe no Kafuka“ (海辺のカフカ) und „Kokkyou no Minami, Taiyou no Nisi“ (国境の南、太陽の西) präsentiert wurden. Das einzig Interessante war, dass letzteres angeblich ein „englisches Original“ aufweise. Schrieb Murakami dies ursprünglich auf Englisch? Ich wage das zu bezweifeln.

Bevor wir entlassen wurden, stand nun noch Yosimoto Banana mit „Kitchen“ (キッチン) und „Tugumi“ an.

Es fällt mir schwer, auch nur einen positiven Punkt der heutigen Sitzung zu finden. Wieso wird eigentlich überhaupt so viel Literatur behandelt, wenn wir dazu zwei Pflichtseminare belegen müssen und obendrein ein weiteres belegen können? Ach, das habe ich ja schon gefragt. Habe ich erwähnt, dass in der nächsten Woche wohl wieder Literatur ansteht? Ich bin gespannt, wie die Klausur am Ende aussehen wird und hoffe, dass einer meiner Leser es mir dann vielleicht mitteilen kann. „Nennen Sie zwei japanische Autorinnen und geben sie wieder, was in je zwei ihrer Werke behandelt wird“, wäre eine Aufgabenstellung, die mich nicht überraschen würde, denn mehr gibt die Vorlesung kaum her. Die Aufgabe wäre aber so unsinnig wie die gesamte Vorlesung selbst. Weiß die Universitätsleitung eigentlich, was hier für ein Unsinn stattfindet?